{"id":1137,"date":"2014-11-10T12:51:46","date_gmt":"2014-11-10T11:51:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.womex.org\/?page_id=1137"},"modified":"2015-02-23T11:06:33","modified_gmt":"2015-02-23T10:06:33","slug":"denkzeit-e-v","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.womex.org\/de\/praxisbeispiele-projekte\/denkzeit-gesellschaft-e-v\/","title":{"rendered":"Denkzeit-Gesellschaft e.V."},"content":{"rendered":"<p><div class=\"divider\"><\/div> <div class=\"grey-box\"> <strong>Projekt:<\/strong> Verschiedene Denkzeit-Trainingsprogramme f\u00fcr deviante Kinder, delinquente Jugendliche, Heranwachsende und Erwachsene sowie f\u00fcr gewaltauff\u00e4llige junge Frauen (letztere zwei in Entwicklung)<br \/>\n<strong>Tr\u00e4ger:<\/strong> Denkzeit-Gesellschaft e.V.<br \/>\n<strong>Laufzeit \/ F\u00f6rderung:<\/strong> &#8212; <a href=\"http:\/\/www.denkzeit.com\">Homepage<\/a><\/div> <div class=\"divider\"><\/div> <div class=\"green-box\">\n<strong>Genderspezifik:<\/strong> Denkzeit e.V. hat k\u00fcrzlich damit begonnen, Trainingsmodule f\u00fcr die Arbeit mit gewaltauff\u00e4lligen jungen Frauen zu konzipieren sowie die stets gegebenen Geschlechterrollen-Aspekte der Trainings expliziter in die bestehenden Programme zu integrieren<\/div> <div class=\"divider\"><\/div> <div class=\"divider\"><\/div> <div class=\"two-columns-one\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #009999;\"><strong>Zielgruppen<\/strong><\/span> Die Denkzeit-Klient_innen sind \u00fcberwiegend durch Impulskontrollst\u00f6rungen, Affektdurchbr\u00fcche, mangelnde Frustrationstoleranz und Gewaltbereitschaft gekennzeichnet. H\u00e4ufig bilden sich Affektmuster der gruppenbezogenen Feindseligkeit ab, und es werden Konfliktspannungen im Geschlechterrollen-Verst\u00e4ndnis erkennbar, die sexistische oder homophobe Haltungen zur Folge haben. Es handelt sich um eine hoch belastete Gruppe von Gewaltt\u00e4ter_innen, die allein durch strafende Sanktionen nicht erreichbar ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese T\u00e4ter_innen vermitteln nicht selten glaubhaft, dass sie keine weiteren Gewalttaten mehr begehen wollen und ihre Schuld durchaus anerkennen. Dennoch geraten sie in der Lebenspraxis h\u00e4ufig in konflikthafte Situationen, die zu aggressiven Auseinandersetzungen f\u00fchren, denen sie sich hilflos ausgeliefert f\u00fchlen. Die h\u00e4ufig fr\u00fch einsetzende und lang anhaltende Delinquenzneigung gr\u00fcndet zumeist in traumatisierenden Erfahrungen der fr\u00fchen Lebensjahre (Vernachl\u00e4ssigung, Gewalt, Missbrauch). Auch Prozesselemente der geschlechtsspezifischen Sozialisation und Trauma-Erfahrung spielen eine Rolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtige Funktionen der Selbst- und Beziehungsregulierung konnten sich aufgrund der sch\u00e4digenden Beziehungserfahrungen nicht angemessen entwickeln. Die Klient_innen neigen dazu, intensive soziale Beziehungen entweder zu vermeiden oder bereits bei geringen Belastungen abzubrechen. Oft erweisen sich diese jungen Menschen als \u00fcberaus misstrauisch und in sich zur\u00fcckgezogen. Andere verhalten sich offen aggressiv, treten provokant auf und l\u00f6sen immer wieder negative Reaktionen bei ihrem Gegen\u00fcber aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #009999;\"><strong>Methodischer Ansatz<\/strong><\/span> Die Denkzeit-Trainingsprogramme sind psychodynamisch fundierte, sozialkognitive Einzeltrainings. Diese sind vor allem auf delinquente Jugendliche und junge Erwachsene gerichtet, die zu impulsiver Gewalt neigen. Hierbei sind auch Aspekte der affektiven Vorurteilsbesetzung, gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und des gewaltorientierten Extremismus ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denkzeit e.V. hat k\u00fcrzlich damit begonnen, Trainingsmodule f\u00fcr die Arbeit mit gewaltauff\u00e4lligen jungen Frauen zu konzipieren sowie die bei dieser Art Intervention stets gegebenen Geschlechterrollen-Aspekte expliziter in die bestehenden Programme zu integrieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Denkzeit-Trainingsprogramme sind weitgehend manualisiert und modularisiert. Gleichwohl ist die professionelle Arbeitsbeziehung ma\u00dfgeblich f\u00fcr den gro\u00dfen Erfolg des Verfahrens verantwortlich. Diese Arbeitsbeziehung erfordert eine abgegrenzt-wohlwollende, f\u00f6rderliche, besch\u00e4mungsfreie, transparente und konfrontations-bereite Grundhaltung der P\u00e4dagog_innen. Sie\/er muss bereit sein, sich w\u00e4hrend des Trainings pers\u00f6nlich in das Beziehungsgeschehen mit dem\/r Klient_in verwickeln zu lassen, um diese Erfahrungen dann f\u00fcr deren Entwicklungsf\u00f6rderung nutzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #009999;\">Module<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den \u00dcbungen des <span style=\"color: #009999;\">ersten Moduls<\/span> lernt der\/die Klient_in, konflikthafte soziale Situationen zu erkennen und gedanklich-emotional zu bearbeiten. Die spezifischen Interventionsstrategien der einzelnen Module zielen darauf ab, den Klienten zu bef\u00e4higen, sich in zwischenmenschlichen Situationen besser als bisher zurechtzufinden. Auf der Grundlage von evidenzbasierter psychodynamischer Forschung wurde hierzu das Schema eines \u201eProbleml\u00f6seprozess\u201c entwickelt (z.B. K\u00f6rner und Friedmann 2008). Es stellt die unbewussten und abgespaltenen Wahrnehmungs- und Handlungsprozesse dar, die in sozialen Situationen innerhalb k\u00fcrzester Zeit ablaufen k\u00f6nnen. Da die Klient_innen \u00fcberwiegend zu dissozialem (und dissoziativem) Verhalten neigen, weisen sie in jeder einzelnen Phase dieses Ablaufes besondere Einschr\u00e4nkungen auf. Diese werden systematisch, Schritt f\u00fcr Schritt in geeigneten \u00dcbungen bearbeitet.<\/p>\n<\/div> Die selektive, negative Wahrnehmung von Situationen sowie die Neigung zur feindseligen Projektion, die f\u00fcr die Klient_innen bezeichnend sind, erfahren besondere Aufmerksamkeit. Dabei wird methodologisch in Rechnung gestellt, dass diese feindlichen Projektionen zumeist als Folge von sch\u00e4digenden fr\u00fchen Beziehungserfahrungen entstanden sind. Der hieraus regelm\u00e4\u00dfig entstehende \u201eunertr\u00e4gliche innere Dialog\u201c (\u201eich bin nur Dreck\u201c) dr\u00e4ngt zur mentalen Abspaltung und Externalisierung per Projektion auf das Gegen\u00fcber. Dabei ist die Verquickung dieser Projektionen mit Affekten der Fremdenfeindlichkeit bzw. des gruppenbezogenen Ressentiments von besonderer gesellschaftlicher Relevanz. Denn dies hat auch zur Folge, dass die biografisch bedingten Projektionen h\u00e4ufig vom umgebenden Sozialmilieu zus\u00e4tzlich best\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im <span style=\"color: #009999;\">zweiten Modul<\/span> der Trainings\u00fcbungen lernen die Klienten, ihre Gef\u00fchle besser wahrzunehmen, die aufkeimende Aggression zu identifizieren, K\u00f6rpersignale zuzuordnen und die St\u00e4rke der Wut zu differenzieren. Individuelle Strategien werden entwickelt, die in den verschiedenen Situationen des Lebensalltags anwendbar sind. Hierbei wird \u00fcber die Beziehung zur\/m Leiter\/in immer auch die F\u00e4higkeit angeregt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und zu verstehen, dass diese ggf. andere Absichten, Einstellungen und Handlungsgr\u00fcnde haben als man selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies kann freilich nicht auf rein verhaltenstherapeutische Weise erfolgen. Vielmehr muss der Lernprozess durch psychodynamische Reflexionserfahrungen der Klient_innen unterlegt sein, die es erlauben, auch die untergr\u00fcndig wirksamen Projektionen, Affektabspaltungen und Ressentiments bewusst nachzuerleben. Demgegen\u00fcber sind Straft\u00e4ter-Programme, die sich auf das Trainieren von alternativen Reaktionsm\u00f6glichkeiten in Konfliktsituationen beschr\u00e4nken, kaum nachhaltig wirksam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im <span style=\"color: #009999;\">dritten Modul<\/span> setzen sich die Klient_innen mit der Frage von \u201eRichtig und Falsch\u201c auseinander. Allerdings nicht, indem sie von den P\u00e4dagog_innen feste Richtlinien erhalten. Vielmehr geht es um die Auseinandersetzung mit moralischen Ma\u00dfst\u00e4ben und die Entwicklung einer Strategie des \u201eDar\u00fcber Nachdenkens\u201c, die den Klienten anregen soll, den \u201emoralischen Gehalt\u201c von sozialen Situationen sensibel wahrzunehmen. Es wird im Training h\u00e4ufig mit Dilemmata gearbeitet, deren Bearbeitung aber auf keine \u201erichtige L\u00f6sung\u201c im Sinne der durchf\u00fchrenden P\u00e4dagog_innen hinausl\u00e4uft. Ziel ist es vielmehr, zu einer autonomen Moralvorstellung zu gelangen, die im Jugendlichen selbst fest verankert ist und die kontextuell angepasst werden kann, aber nicht bestechlich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine besondere Bedeutung haben der klare, haltgebende Rahmen des \u00dcbungsprozesses und die pers\u00f6nlich-professionelle Haltung, aus der heraus der\/die P\u00e4dagog_in die spezifischen Arbeits- und Beziehungsangebote macht. Alle Vereinbarungen, die getroffen werden, werden mit dem\/r Klient_in verhandelt und abgestimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein besonderer Schwerpunkt des direkten Arbeitens am Beziehungsgeschehen liegt auf jenen Projektionen (und projektiven Identifikationen), mittels derer Klienten es verm\u00f6gen, andere Menschen unbewusst dazu zu veranlassen, sich entsprechend ihrer feindlich-negativen Erwartungen zu verhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die explizit vorgegebenen \u00dcbungen des Manuals und die implizite p\u00e4dagogische Beziehung und interpersonelle Situation mit der\/m Trainer_in wirken Hand in Hand.<\/p>\n<p>Die psychodynamisch fundierten Denkzeit-Trainingsprogramme wurde mehrfach wissenschaftlich evaluiert und haben sich im Sinne der Delinquenzreduktion und nachhaltigen Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung als nachhaltig wirksam erwiesen. [\/two_columns_one_last] <div class=\"divider\"><\/div> <div class=\"divider\"><\/div> <span style=\"color: #009999;\"><strong>Kontakt<\/strong><\/span> Denkzeit-Gesellschaft e.V. Goebenstr. 24 10783 Berlin Tel: 030. 689 15 666 <a href=\"www.denkzeit.com\" target=\"_blank\">www.denkzeit.com<\/a> Mail: info[at]denkzeit.com<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"#top\">nach oben<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die selektive, negative Wahrnehmung von Situationen sowie die Neigung zur feindseligen Projektion, die f\u00fcr die Klient_innen bezeichnend sind, erfahren besondere Aufmerksamkeit. 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