{"id":712,"date":"2014-10-28T13:24:07","date_gmt":"2014-10-28T11:24:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.womex.org\/?page_id=712"},"modified":"2015-02-23T10:14:18","modified_gmt":"2015-02-23T09:14:18","slug":"aufsuchende-jugendarbeit","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.womex.org\/de\/arbeitsfelder\/aufsuchende-jugendarbeit\/","title":{"rendered":"Aufsuchende Jugendarbeit"},"content":{"rendered":"<div class=\"divider\"><\/div>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<p><a href=\"#Allgemein\">&gt; Allgemein<\/a><a href=\"#Ablauf\"><br \/>\n&gt; Ablauf und Arbeitsschritte der aufsuchenden Arbeit<br \/>\n&gt; <\/a><a href=\"#Aspekte\">Genderaspekte<br \/>\n&gt; <\/a><a href=\"#Empfehlungen\">Genderempfehlungen<\/a><br \/>\n<a href=\"#Beispiele\">&gt; Beispiele<\/a><\/p>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<h2><\/h2>\n<h2 id=\"Allgemein\">Allgemein<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><div class=\"divider\"><\/div><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andere gebr\u00e4uchliche Begriffe f\u00fcr diesen Bereich sind Stra\u00dfensozialarbeit \/ Streetwork. Ein wesentliches Merkmal dieser Arbeit ist, dass die Sozialarbeiter_innen die Jugendlichen im \u00f6ffentlichen Raum aufsuchen und quasi zu Gast sind auf den Pl\u00e4tzen, Parkbanken, Bushaltestellen, aber auch in selbstverwalteten R\u00e4umen, an denen sich Jugendcliquen aufhalten. Die aufsuchende Jugendarbeit ist Lebenswelt- und sozialraumorientiert und vereint Gruppenarbeit mit Einzelfallhilfe und Gemeinwesenarbeit. Es wird mit der freiwilligen Beteiligungen der Jugendlichen gearbeitet zu Beginn vor allem mit niedrigschwelligen Angeboten. Jedoch ist die Arbeit beziehungsintensiv. Je nach Bedarf wird versucht, im jeweiligen Sozialraum fehlende Angebote auszugleichen, bestehende Konfliktlagen zu moderieren und einzelnen Jugendlichen Hilfen in besonderen Lebenslagen zu geben. Geschlechterrollen und gender-bedingte Interaktionsformen sind hier unmittelbar im sozialen Feld sichtbar und k\u00f6nnen von den Kolleg_innen direkt vor Ort miterlebt werden. Umso mehr kann dann das sp\u00e4tere, vertrauensvolle Gespr\u00e4ch sehr genau auf die spezifisch gender-bedingten Dynamiken der Clique zur\u00fcckkommen und diese erlebnisnah reflektieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die aufsuchende Jugendarbeit hat die M\u00f6glichkeit, nat\u00fcrliche Jugendgruppen im \u00f6ffentlichen Raum gezielt anzusprechen \u2013 gerade auch solche Gruppen, die durch \u00c4u\u00dferungen von gruppenbezogenem Hass und Menschenfeindlichkeit und durch rechtsextreme bzw. islamistische Bez\u00fcge auffallen. Diese voraussetzungsreiche Arbeit muss sehr sensibel angegangen werden und kann nur unter bestimmten Bedingungen wirksam werden. Dazu geh\u00f6rt, dass erfahrene Fachkr\u00e4fte eingesetzt werden, die mindestens in Zweier-Teams arbeiten. Die Finanzierung der Personalstellen sollte langfristig gesichert sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ferner ist notwendig, dass neben der direkten Arbeit mit den Jugendlichen gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr Reflektion und Nachbereitung zur Verf\u00fcgung stehen. Ohne Supervision, Fallberatung und finanzielle Ressourcen, die es erm\u00f6glichen, gezielte Interventionen und ggf. gender-fokussierte Angebote einzubringen, wird man kaum Wirkung erzielen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr gute Interventionsm\u00f6glichkeiten bestehen vor allem bei den j\u00fcngeren Jugendlichen (13 bis 16). Hier kann die kontinuierliche Unterst\u00fctzung der Sozialarbeiter_innen, die sich stets auch als alternative Rollenvorbilder anbieten, viel erreichen, gerade auch dann, wenn die Jugendlichen sonst in Familie und Sozialraum einem sehr schwierigen Umfeld ausgesetzt sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"#Allgemein\">Allgemein<\/a> | <a href=\"#Ablauf\">Ablauf und Arbeitsschritte der aufsuchenden Arbeit<\/a> | <a href=\"#Aspekte\">Genderaspekte<\/a> | <a href=\"#Empfehlungen\">Genderempfehlungen<\/a>| <a href=\"#top\">nach oben<\/a><\/p>\n<p id=\"Ablauf\"><div class=\"divider\"><\/div><\/p>\n<h2>Ablauf und Arbeitsschritte der aufsuchenden Arbeit<\/h2>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Folgenden werden exemplarisch Ablauf und Arbeitsschritte der aufsuchenden Arbeit mit rechtsextrem oder islamistisch gef\u00e4hrdeten jungen Frauen und M\u00e4nnern beschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #009999;\">1. Einstieg in die Arbeit<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Sozialarbeiter_innen-Team wird zumeist von Wohnungsbaugesellschaften, dem Jugendamt, der Polizei oder von Schulen gerufen. Dies erfolgt dann, wenn eine Gruppe Heranwachsender, die sich an bestimmten Orten wie z.B. Innenh\u00f6fen, Parkb\u00e4nken und Spielpl\u00e4tzen aufhalten, von der Umgebung wiederholt als auff\u00e4llig oder eventuell sogar als bedrohlich wahrgenommen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Arbeit beginnt mit einer Analyse des Sozialraums, der Hinweisgeber sowie der Gruppe selbst. Dies erfolgt zun\u00e4chst auf der Grundlage der von au\u00dfen vorliegenden Informationen. Gr\u00f6\u00dfere sozialraumorientiert arbeitende Tr\u00e4ger k\u00f6nnen mit unterschiedlichen Teams und variablen Schwerpunkten arbeiten. Wenn also bei einer Jugendgruppe beobachtet wird, dass rechtsextreme Orientierungen eine Rolle spielen (k\u00f6nnten), dann nimmt ein Team mit entsprechenden Erfahrungen den Erstkontakt auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #009999;\">2. Erstkontakt<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sozialarbeiter_innen gehen auf die Gruppe zu, stellen sich vor, er\u00f6ffnen das Gespr\u00e4ch und versuchen, eine vertrauensvolle Br\u00fccke zu den jungen Leuten herzustellen. &#8222;Wir sind Sozialarbeiter\u201c, \u201ewir sind f\u00fcr die jungen Leute im Kiez da\u201c, \u201eihr k\u00f6nnt uns vertrauen\u201c, &#8222;wir k\u00f6nnen zusammen mit Euch \u00fcberlegen, ob es hier etwas gibt, worauf ihr Lust h\u00e4ttet oder womit wir euch helfen k\u00f6nnten.&#8220; Wenn schon eine Konfliktgeschichte im Viertel vorliegt, wird auch bald die Rede davon sein, &#8222;dass es ja immer wieder Stress hier gibt\u201c, und was es denn damit auf sich habe. Dabei beruht der Zugang zu den Jugendlichen stets auf pers\u00f6nlicher Aufrichtigkeit\/ Authentizit\u00e4t, Zugewandtheit, Interesse sowie auf Abgemessenheit und einer klaren eigenen Position.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #009999;\">3. Vertrauen aufbauen und Analyse der sozialen und ideologischen Problemlagen<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im folgenden Schritt geht es darum, die N\u00f6te, Bed\u00fcrfnisse, und W\u00fcnsche einzelner Jugendlicher zu ermitteln, so dass die N\u00f6te so weit wie m\u00f6glich bearbeitet und f\u00fcr die W\u00fcnsche aktive Eigeninitiativen mobilisiert werden k\u00f6nnen. Nicht selten ist eine gezielte Unterst\u00fctzung in sozialen Belangen notwendig, wie z.B. der gemeinsame Gang zur Schuldnerberatung, bei Konflikten mit den Eltern das Erarbeiten von L\u00f6sungen, Hilfe bei der Suche nach Wohnung und betreuten Wohngemeinschaften bzw. bei der Arbeits- und Ausbildungssuche, die Begleitung bei schwierigen \u00c4mterg\u00e4ngen und Widerspruchseingaben (Polizei, Gericht, Steuer) oder die Vermittlung von Beratung f\u00fcr besondere Lebenslagen wie z.B. Suchtmittelabh\u00e4ngigkeit oder Schwangerschaft. All diese Belange k\u00f6nnen vielfach von gender-bedingten Motiven gepr\u00e4gt sein, wie z.B. Konflikte mit der Herkunftsfamilie, fr\u00fche Schwangerschaft, Gewalt in Beziehungen. Sie haben viel damit zu tun, wie die betroffene Person ihre jeweilige Gender-Identit\u00e4t erlebt und umsetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem besonderen Feld der Arbeit mit extremistischen Jugendlichen erkunden die Sozialarbeiter_innen durch Gespr\u00e4che und Beobachtungen, wie stark die ideologische Verankerung der Jugendlichen ist, welche Rolle sie damit in der Clique einnehmen, inwieweit die Einzelnen mit der organisierten militanten Szene verbunden sind und ob sie schon polizeilich registriert sind. Dabei wird das Team auch darauf achten, ob und wie die szenetypischen Genderrollen in dieser Gruppe gelebt werden \u2013 und welche Ankn\u00fcpfungspunkte sich daraus f\u00fcr die gemeinsame Arbeitsbeziehung ergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Parallel wird eruiert, in welcher Form man durch freizeitorientierte Angebote an die Interessen und Ressourcen der Jugendlichen ankn\u00fcpfen kann. Dazu geh\u00f6ren jugendkulturelle oder kreative Workshops, Tagesausfl\u00fcge, oder auch mehrt\u00e4gige Reisen. Den h\u00e4ufig aus benachteiligenden Lebenslagen stammenden Jugendlichen k\u00f6nnen damit neue wichtige Erfahrungshorizonte er\u00f6ffnet werden. Neue Situationen und Begegnungen auch mit anderen Gruppen st\u00e4rken die sozialen Kompetenzen und f\u00f6rdert die pers\u00f6nliche Entwicklung. Besonders wirksam werden diese Unternehmungen sein, wenn sie M\u00e4dchen- und Jungen-spezifische sowie koedukative und cross-gender Betreuungsangebote variieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #009999;\">4. Gezielte Konfrontation mit Ideologien und Hass\u00e4u\u00dferungen<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Arbeit mit der Zielgruppe nehmen die Sozialarbeiter_innen eine kritisch-zugewandte Haltung ein. Das hei\u00dft, die Person der\/des Jugendlichen wird stets akzeptiert und respektiert. Als Person und erf\u00e4hrt sie die vorbehaltlose Zuwendung die Sozialarbeiter_innen, vorausgesetzt es ist in der gemeinsamen Arbeit ein aufrichtiger Kontakt zustande gekommen. Was die Mitarbeitenden der Stra\u00dfensozialarbeit jedoch kritisch hinterfragen werden, sind die Haltungen und Verhaltensweisen ihrer Klient_innen. Auch werden in der Anfangsphase einige Grundregeln des gemeinsamen Austausches vereinbart, die festlegen, was im Umgang der Jugendlichen und Sozialarbeiter_innen akzeptabel ist und was nicht; ebenso muss Klarheit dar\u00fcber bestehen, in welchen F\u00e4llen die Kolleg_innen verpflichtet sind, Verhalten zur Anzeige zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist jedoch wichtig von Anfang an in Sachen Gruppenhass, rechtsextreme oder militant islamistische Haltungen die eigene Position immerhin markiert zu haben. Wenn sp\u00e4ter ein zielgerichteter Prozess der Distanzierungsarbeit begonnen werden soll, m\u00fcssen die Klient_innen ihr professionelles Gegen\u00fcber\/ den\/die Streetworker_in als ehrlich, authentisch und konsistent wahrnehmen und als Gespr\u00e4chspartner_in ernstnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Praxis bedeutet dies, dass man mit dem zielgerichteten Hinterfragen von rassistischen, nationalistischen, antisemitischen sowie sexistischen\/homophoben Haltungen erst dann beginnt, wenn bereits ein grunds\u00e4tzliches Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen Sozialarbeiter_in und Klient_in entstanden ist \u2013 und wenn die Beteiligten schon \u201eein St\u00fcck Weg miteinander gegangen sind\u201c. In der weiteren Arbeit wird es dann sehr darauf ankommen, dass die Kontinuit\u00e4t in der Beziehung und die Erreichbarkeit in Krisenf\u00e4llen zu allen Tages- und Nachtzeiten gegeben ist (Berufshandy, facebook).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zunehmend nutzen die Kolleg_innen der aufsuchenden Arbeit auch die sozialen Medien (z.B. Facebook und Twitter), um den regelm\u00e4\u00dfigen Kontakt mit Jugendlichen zu halten (oder Verabredungen zu treffen). Die Jugendarbeiter_innen nehmen dort aber auch ganz gezielt an Austausch teil, der in Bezug auf menschenverachtende Ideologien, so genannte Hassforen oder extremistische Foren stattfindet (Z.B. &#8222;Todesstrafe f\u00fcr Kindersch\u00e4nder&#8220; bzw. militante Jihadistische Websites) und bringen dort ihre moderierende und kritische Haltung ein. Ferner wurde die Erfahrung gemacht, dass oft gerade die zur\u00fcckhaltenden Jugendlichen den schriftlichen Dialog mit den Sozialarbeiter_innen im Internet nutzen. Denn dort f\u00e4llt es ihnen leichter als in der Gruppe, sich pers\u00f6nlich zu \u00e4u\u00dfern bzw. bestimmte Themen anzusprechen. Dies erlaubt es manchmal auch, zu den M\u00e4dchen der Gruppe \u2013 bzw. zu gender-bedingten Themen \u2013 einen leichter gangbaren Zugang zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #009999;\">5. Auslaufen des Prozesses<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Prozess kann unterschiedlich lang dauern, von ca. 1-5 Jahre. Mit manchen der jungen Menschen besteht l\u00e4nger Kontakt. Auch ist der Bezug zu den einzelnen Gruppenmitgliedern sehr unterschiedlich intensiv. Manchmal ver\u00e4ndert sich dieser Prozess dadurch, dass Jugendliche in andere Jugendhilfesysteme vermittelt werden und nicht mehr in gleicher Weise in der Gruppe pr\u00e4sent sind, was z.B. durch eine Ausstiegshilfe oder Schwangerschaft bedingt sein kann. Im Sinne der empfohlenen Kontinuit\u00e4t von Betreuungsbeziehungen versuchen die Stra\u00dfensozialerbeiter_innen jedoch auch dann, den Kontakt zu halten und ggf. in der Nachbetreuung beteiligt zu sein. Das Ende der Arbeitsbeziehung mit den Jugendlichen wird so gestaltet, dass es nicht als abrupter Beziehungsabbruch erlebt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"#Allgemein\">Allgemein<\/a> | <a href=\"#Ablauf\">Ablauf und Arbeitsschritte der aufsuchenden Arbeit<\/a> | <a href=\"#Aspekte\">Genderaspekte<\/a> | <a href=\"#Empfehlungen\">Genderempfehlungen<\/a>| <a href=\"#top\">nach oben<\/a><\/p>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<h2><\/h2>\n<h2 id=\"Aspekte\">Genderaspekte<\/h2>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<p><span style=\"color: #009999;\"><strong>Ph\u00e4nomenbeschreibung: Gruppen mit rechtsextremen Bez\u00fcgen<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gruppen im \u00f6ffentlichen Raum sind meist geschlechtergemischt, aber h\u00e4ufig m\u00e4nnlich dominiert. Oft lassen sich die M\u00e4dchen anfangs nur schwer auf geschlechtsspezifische Gespr\u00e4che und Angebote ein. In der aufsuchenden Jugendarbeit von selbstverwalteten Jugendr\u00e4umen im l\u00e4ndlichen Raum gibt es jedoch manchmal reine M\u00e4dchengruppen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade in St\u00e4dten sind verschiedene Typen von rechtsextrem orientierten M\u00e4dchen\/ Frauen zu finden:<\/p>\n<ul>\n<li>die Reenees\/Skingirls, die k\u00e4mpferische, M\u00e4nnern ebenb\u00fcrtige Handlungspositionen einnehmen,<\/li>\n<li>die Freundinnen eines Kameraden, die sich lediglich als Begleitung und stille Unterst\u00fctzerin verstehen,<\/li>\n<li>die national autonomen Frauen, die einer rechtsgerichteten autonomen Gruppe angeh\u00f6rt<\/li>\n<li>Frauen mit matriarchalisch\/weiblich gepr\u00e4gtem Habitus, die einen speziell fraulichen Ausdruck von Szenezugeh\u00f6rigkeit und Machtanspruch aufweisen<\/li>\n<li>rechtsextreme Frauen aus sozial desintegrierten Umfeldern, die den sozialen Anschluss an eine machtvolle Gruppe suchen<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die M\u00e4dchen\/Frauen sind unterschiedlich stark ideologisch motiviert und haben sich aus unterschiedlichen Motiven (und Gender-Gesichtspunkten) in ein rechtsextremes Umfeld begeben. Mitunter nehmen einzelne Gruppen auch ein geradezu matriarchalisches Gepr\u00e4ge an. Dort sind dann eine Reihe junger Frauen bestimmend, die betont k\u00f6rperlich auftreten. In diesen Gruppen hat stets eine Leitfigur die Weisungsgewalt inne. Diese Frauen kommen oft aus einem sozial desintegrierten Verh\u00e4ltnissen, die von mehrgenerationaler Arbeitslosigkeit, Familienkonflikten, Alkohol- und Suchtmittelprobleme, sowie durch Konsum von und Aktivit\u00e4ten auf pornografischen Websites (z.B. &#8222;You porn&#8220;) gekennzeichnet sind. H\u00e4ufig werden Partnerschaften mit M\u00e4nnern aus NPD-Kreisen oder organisierten Kameradschaften eingegangen bzw. Verbindungen gesucht, die neben dem Bed\u00fcrfnis nach Beziehungen auch von politischem Ehrgeiz und dem Streben nach Entfaltungsmacht gekennzeichnet sind.<br \/>\nAndere Gruppen sind gemischtgeschlechtlich und bestehen aus Frauen, die unterschiedlichen Typen zugeh\u00f6ren und unterschiedlich stark ideologisiert sind. Der sozialp\u00e4dagogische Zugang zu den Frauen entsteht oft aufgrund von fr\u00fcher Elternschaft oder aber infolge von h\u00e4uslicher Gewalt \u2013 manchmal wegen einer fatalen Kombination beider Ursachen. Genderthemen \u2013 Geschlecht\/ Konflikt in der Partnerschaft, in Familie und Elternschaft \u2013 nehmen in den jeweiligen Arbeitsbeziehungen eine entsprechend gro\u00dfe Bedeutung ein.<\/p>\n<p><span style=\"color: #009999;\"><strong>Ph\u00e4nomenbeschreibung: Gruppen mit islamistischen Bez\u00fcgen<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sammlung von Erfahrungen aus der Sozial- und Ausstiegsarbeit mit M\u00e4dchen\/ Frauen mit Bez\u00fcgen zu militant jihadistischen Umfeldern steht in Deutschland erst am Anfang. Die Erfahrungsberichte und Recherchen der Kolleg_innen in britischen Gro\u00dfst\u00e4dte haben ergeben, dass die genderspezifische Inanspruchnahme von M\u00e4dchen\/ Frauen durch extremistische Organisationen weiter fortgeschritten ist (z.B. Hizb ut Tahrir, Al Muhadjiroun, Women4Shariah, Muslims Against Crusaders). Aber auch die Praktiker_innen der Jugend- und sozialarbeiterischen Intervention versuchen, sich entsprechend einzustellen und zu professionalisieren. Dies gilt \u00e4hnlich auch hinsichtlich der M\u00e4dchen \/ Frauen in Banden der organisierten Kriminalit\u00e4t.<br \/>\nIn manchen Aspekten durchaus vergleichbar mit rechtsextremen Milieus ist die Ausdifferenzierung der verschiedenen Typen von weiblicher Beteiligung in jihadistischen Umfeldern, zu denen die Anh\u00e4ngerin einer Bewegung\/ Organisation, die famili\u00e4re (auch sexuelle) Unterst\u00fctzerin, die aktive Organisatorin, die Ideologin und Propagandistin sowie die T\u00e4terin geh\u00f6rt. Auch einige Motive der Zuwendung zum extremistischen Milieu \u00fcberschneiden sich, wie z.B. der Wunsch nach Zugeh\u00f6rigkeit und Respekt, die Kompensation von Erlebnissen der Erniedrigung\/ Diskriminierung, die Bew\u00e4ltigung von Lebens- und Befindlichkeitskrisen, das Bed\u00fcrfnis nach sozialer und gesellschaftlicher Selbstwirksamkeit, Varianten von moralisch-politischer Emp\u00f6rung oder religi\u00f6sen\/ existenziellen Erweckungserlebnissen, sowie der Drang aggressive Impulse auszuagieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"#Allgemein\">Allgemein<\/a> | <a href=\"#Ablauf\">Ablauf und Arbeitsschritte der aufsuchenden Arbeit<\/a> | <a href=\"#Aspekte\">Genderaspekte<\/a> | <a href=\"#Empfehlungen\">Genderempfehlungen<\/a>| <a href=\"#top\">nach oben<\/a><\/p>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<h2 id=\"Empfehlungen\">Genderempfehlungen<\/h2>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grunds\u00e4tzlich sollte Streetwork mit gemischtgeschlechtlich besetzten Teams aus Frauen und M\u00e4nnern arbeiten und sowohl gemischt- als auch mono-geschlechtlich ausgelegte Aktivit\u00e4ten einsetzen. In der gemischtgeschlechtlichen Erstansprache haben die Jugendlichen dann die Wahl, welchem Geschlecht sie sich zuerst zuwenden wollen. In der Praxis zeigt sich, dass M\u00e4dchen bei der h\u00e4ufig zuerst den Kontakt zum m\u00e4nnlichen Kollegen suchen und sich erst mit der Zeit auch f\u00fcr die Sozialarbeiterin \u00f6ffnen. Manche Aktivit\u00e4ten, wie z.B. Fu\u00dfball spielen, bei denen M\u00e4dchen h\u00e4ufig am Rand stehen, k\u00f6nnen gezielt f\u00fcr eine geschlechtergetrennte Ansprache der M\u00e4dchen durch die Sozialarbeiterin genutzt werden. Sp\u00e4ter k\u00f6nnen auch in der Stra\u00dfensozialarbeit cross-Gender Aktivit\u00e4ten anvisiert werden, bei denen z.B. die M\u00e4dchen und die weibliche Jugendarbeiterin Fu\u00dfball spielen, und die Jugend und M\u00e4nner sich in M\u00e4dchendom\u00e4nen bewegen.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #009999;\">Grundprinzipien f\u00fcr eine genderreflektierte Jugendarbeit (analog zu \u201eoffene Jugendarbeit\u201c):<\/span><\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\">ein diskriminierungsfreier Umgang mit allen Formen von sexueller Orientierung und Gender-Identit\u00e4t in Jugendeinrichtungen<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">best\u00e4ndige Aufmerksamkeit f\u00fcr Bearbeitung von sexistischen und homophoben \u00c4u\u00dferungen in der Einrichtung<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">parteiliche Jugendarbeit mit Schwerpunkt von koedukativen Zielen<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">aktive Reflexion der bestehenden Geschlechterverh\u00e4ltnissen als Querschnittsthema<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">F\u00f6rderung der Wahrnehmung von alternativen Geschlechterrollen<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">St\u00e4rkung von Ambivalenz-Toleranz in Bez\u00fcgen von sexueller Orientierung und Gender \u2013 sowie der allgemeinen Erweiterung von gesellschaftlich bestehenden \u201ebin\u00e4ren Oppositionen\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><span style=\"color: #009999;\">Genderperspektiven in der Jugendarbeit<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Hinsichtlich der <span style=\"color: #009999;\">personellen Ausstattung<\/span><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\">gemischtgeschlechtliche Teambesetzung<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Reflektion der eigenen Geschlechterrollen-Vorstellung im Team<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Professioneller Fachaustausch \u00fcber M\u00f6glichkeiten des Gender-orientierten Arbeitens mit Jugendlichen verschiedener Gruppenzugeh\u00f6rigkeit<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Fortbildung zur Bedeutung von Gender in Rechtsextremismus, religi\u00f6sem Fundamentalismus und menschenrechtsfeindlichen Bewegungen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hinsichtlich der <span style=\"color: #009999;\">r\u00e4umlichen Ausstattung<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was in den Einrichtungen der Jugendarbeit (Jugendclubs) f\u00fcr die r\u00e4umliche Ausstattung gilt, kann\/sollte analog dazu, aber auf andere Weisen in den Sozialr\u00e4umen und an \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen geschaffen werden \u2013 und zwar an jenen lebensweltlichen Orten, an denen die Jugendlichen sich tats\u00e4chlich aufhalten M\u00e4dchen\/Jungenr\u00e4ume schaffen, gemeinsame Regelerarbeitung insbesondere in Bezug auf sexistische Sprache und Umgang miteinander.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der <span style=\"color: #009999;\">Struktur der Angebote<\/span><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\">Angebote gendersensibel gestalten: Wenn z.B. Tanzen f\u00fcr M\u00e4dchen und Street-Soccer f\u00fcr Jungen angeboten wird, sollten M\u00f6glichkeiten der koedukativen \u00d6ffnung\/ Erweiterung geschaffen und die Diskussionen der Auswirkungen von gesellschaftlichen Geschlechterrollen betrieben werden<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">parteiliche und Gender-irritierende Jungen- und M\u00e4dchenarbeit: neue koedukative Erfahrungsr\u00e4ume schaffen (Tanzen f\u00fcr Jungen und Street-Soccer f\u00fcr M\u00e4dchen)<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">genderreflektierende Angebote: z.B. Erlebnisp\u00e4dagogische Projekte mit anschlie\u00dfender Diskussion \u00fcber die Handlungsweisen, die M\u00e4dchen bzw. Jungen in bestimmten Situationen \u00fcbernommen haben<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">bewusstes Erfahren von Situationen der Selbstbestimmung in Konfliktlagen (Empowerment), z.B. durch didaktisierte Arbeit mit einschl\u00e4gigen Fallgeschichten<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Cross-work: P\u00e4dagoginnen arbeiten mit Jungengruppen, P\u00e4dagogen arbeiten mit M\u00e4dchengruppen. Z.B. Abenteuercamps f\u00fcr Jungen unter weiblicher Anleitung.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"#Allgemein\">Allgemein<\/a> | <a href=\"#Ablauf\">Ablauf und Arbeitsschritte der aufsuchenden Arbeit<\/a> | <a href=\"#Aspekte\">Genderaspekte<\/a> | <a href=\"#Empfehlungen\">Genderempfehlungen<\/a>| <a href=\"#top\">nach oben<\/a><\/p>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<h2 id=\"Beispiele\">Beispiele<\/h2>\n<p>Vaja e.V., Gangway e.V.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&gt; Allgemein &gt; Ablauf und Arbeitsschritte der aufsuchenden Arbeit &gt; Genderaspekte &gt; Genderempfehlungen &gt; Beispiele Allgemein Andere gebr\u00e4uchliche Begriffe f\u00fcr diesen Bereich sind Stra\u00dfensozialarbeit \/ Streetwork. 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