{"id":735,"date":"2014-10-28T14:43:46","date_gmt":"2014-10-28T13:43:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.womex.org\/?page_id=735"},"modified":"2015-02-23T10:27:51","modified_gmt":"2015-02-23T09:27:51","slug":"gemeinwesenorientierte-ansaetze","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.womex.org\/de\/arbeitsfelder\/gemeinwesenorientierte-ansaetze\/","title":{"rendered":"Gemeinwesenorientierte Ans\u00e4tze"},"content":{"rendered":"<div class=\"divider\"><\/div>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<p><a href=\"#Lokal\">&gt; Allgemein: Lokal verankerte Beratungs- und Hilfeangebote<\/a><br \/>\n<a href=\"#Empfehlungen\">&gt; Genderempfehlungen<\/a><br \/>\n<a href=\"#Beispiele\">&gt; Beispiele<\/a><\/p>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<h2 id=\"Lokal\">Allgemein: Lokal verankerte Beratungs- und Hilfeangebote<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gemeinwesen meint im Grunde das Gesamt der \u00f6rtlichen Zivil- und B\u00fcrger_innen-Gesellschaft in Verschr\u00e4nkung mit allen Sozial- und Bildungsangeboten der \u00f6ffentlichen Hand sowie den lokalen Medien. Das Gemeinwesen bildet damit den wichtigen gro\u00dfen Rahmen, der die verschiedenen Aktivit\u00e4ten \u2013 der Einzel- sowie der Klein- und Gro\u00dfgruppen-Intervention \u2013 unterst\u00fctzend umspannen und integrieren kann. Je komplexer ein sozialer Bedarf ist, desto mehr wird es bei der Arbeit auch auf das Gemeinwesen und auf die gute gegenseitige Beziehung und Kooperation zwischen zivilgesellschaftlich engagierten B\u00fcrger_innen, \u00f6rtlichen Tr\u00e4gern von sozialen und therapeutischen Hilfeleistungen, den lokalen Medien und der kommunalen Verwaltung ankommen. Dies trifft insbesondere auf die Belange von Erziehung und Jugendarbeit zu. Denn wie man wei\u00df (seit amerikanische Kommunitarist_innen dies in Erinnerung gerufen haben): \u201eEs braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders wichtig sind die Gemeinwesen f\u00fcr die zentralen Querschnittsbelange des guten Zusammenlebens in heutiger Zeit. Gender und der Umgang mit verschiedenartigen Geschlechterrollen und -identit\u00e4ten ist einer dieser gesellschaftlichen Querschnittsbelange, der f\u00fcr das demokratische und menschenrechtsbasierte Zusammenleben von zentraler Bedeutung ist (der aber selbst von avancierten Entw\u00fcrfen zur Gemeinwesenarbeit zumeist v\u00f6llig \u00fcbersehen wird). Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Hass-Gruppen, politisch-religi\u00f6ser Fundamentalismus und \u00e4hnliche Dynamiken bilden einen anderen Querschnittsbelang, der eminente Gef\u00e4hrdungen des Gemeinwohls bedingt. Diese beide Belange treten zumeist in direkter Verbindung miteinander auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ferner reichen die Wirkungen von Themen wie Rechtsextremismus oder Gender mitunter weit in die vermeintlich nicht-extremistische Mitte der jeweiligen Gemeinde hinein. Sie rufen dort Empf\u00e4nglichkeiten f\u00fcr populistische Emphasen und Ressentiment befrachtete Haltungen wach \u2013 und bringen nicht selten die dunkle Seite des Gemeinwesens zum Vorschein. Denn dass ein echter Mann eben doch eher ein \u201erechter\u201c und m\u00e4nnlicher Mann sein sollte und nur zur Not auch schwul sein darf, dass eine Mutter, die keine \u201eRabenmutter\u201c sein will, eben doch weitgehend zuhause bei den Kindern und jedenfalls nicht zu extravagant sein sollte, dass junge Leute in Kampfmontur und Springerstiefel sich eben \u201edie H\u00f6rner absto\u00dfen m\u00fcssen\u201c oder \u201eeinfach zu viel trinken\u201c, oder dass eine pl\u00f6tzliche strenge Fr\u00f6mmigkeit von jungen Leuten mit moslemischem Hintergrund doch eigentlich begr\u00fc\u00dfenswert sei \u2013 dergleichen Ansichten sind in der jeweiligen Gemeinde genauso Mainstream wie sie eine passf\u00f6rmige Umgebung \u2013 und lokale Nische \u2013 f\u00fcr militant extremistische und\/oder fundamentalistische Organisationen sind. Entsprechend h\u00e4ufig gaben T\u00e4ter_innen von rechtsextremistischen und\/oder sexistischen\/homophoben Delikten zu Protokoll, dass es in ihrer direkten st\u00e4dtischen oder d\u00f6rflichen Umgebung \u201eeigentlich niemanden gab, der was dagegen hatte\u201c, was er\/sie in Bezug auf \u201eAusl\u00e4nder\u201c oder Personen mit Normabweichender Gender-Identit\u00e4ten begangen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn es also sozial-p\u00e4dagogischen Interventionen, politischer Bildung und Jugendarbeit oft so schwer f\u00e4llt, nachhaltige Wirkungen zu erzielen, liegt das zumeist auch daran, dass die sozusagen gemeinwesen-p\u00e4dagogische Perspektive brach liegt und der Rahmen, \u201edas Dorf\u201c oder das st\u00e4dtische Quartier nicht mit in den Blick genommen wird. Das kommt freilich nicht von ungef\u00e4hr, denn Gemeinwesenarbeit zu sensiblen Querschnittsbelangen \u2013 wie Gender oder Rechtsextremismus \u2013 ist oft sehr aufw\u00e4ndig und kontrovers, mitunter auch explosiv. Sie wird \u00fcber einige Strecken auch den Einsatz von Methoden der konstruktiven Konfliktbearbeitung erforderlich machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #009999;\"><strong>In einzelnen Arbeitsbereichen \u2013 mit Gemeinwesenbezug<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kolleg_innen, die sich in sozialen Fragen von Gewalt\/Extremismus und\/oder Gender engagieren, haben h\u00e4ufig spezielle (Selbst-)Hilfegruppen und Beratungsstellen ins Leben gerufen, die dann zur festen Gr\u00f6\u00dfe innerhalb des Gemeinwesens wurden. H\u00e4ufig werden sie von Vereinen und freien Tr\u00e4gern aufgebaut, die am weitesten in das soziale Feld hineinreichen \u2013 und die bei den Betroffenen spontan mehr Vertrauen hervorrufen als die Organe der \u00f6ffentlichen Hand dies k\u00f6nnen. Von besonderer Bedeutung sind hierbei offene Gruppenangebote f\u00fcr M\u00e4nner oder Frauen, die eine M\u00f6glichkeit suchen, sich \u00fcber die, stets geschlechtsspezifischen, Erfahrungen von Konflikt, Aggression und Gewalt in Familie und Gemeinde auszutauschen. Dabei geht es auch um die eigene Beteiligung an Gewalthandeln, um archaische Familienvorstellungen und um lange tradierte Formen des Umgangs mit den eigenen T\u00f6chtern und S\u00f6hnen. Eng damit verbunden ist zumeist die Auseinandersetzung mit den oft so konfliktreichen Vorstellungen\/ Ma\u00dfgaben \u00fcber akzeptable bzw. gebotene Habitus von M\u00e4nnlichkeit und Weiblichkeit, die in den Familien und lokalen (oder ethnischen) Milieus bestehen \u2013 und die das zutr\u00e4gliche Miteinander in der Gemeinde sehr beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnen. Ebenfalls Thema in diesen Gespr\u00e4chssettings ist oft die Sorge um die Kinder und Jugendlichen, deren hoch gender-spezifische \u2013 Lebenswelten manchmal schwer zu verstehen sind und auf die oft nur schwer nachhaltiger Einfluss genommen werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In anderen kommunalen Bereichen \u2013 wie Schulen und Jugendeinrichtungen \u2013 arbeiten die Kolleg_innen in einem obgleich niedrig-schwelligeren Vorgehen an den gleichen Erfahrungsfeldern. Diese Kolleg_innen habe eine wichtige Funktion f\u00fcr die Schaffung von Bewusstsein und Bef\u00e4higung zum inter-religi\u00f6sen und inter-ethnischen Dialog sowie zur Wertsch\u00e4tzung von Vielfalt und Praxis von wehrhafter Demokratie. Verschiedenste Akteure k\u00f6nnen hier zusammenwirken, z.B. sozialraumorientierte Stadtteilb\u00fcros, Telefon-Beratungen und Anlaufstellen f\u00fcr Eltern und Lehrer_innen, deren Kinder und Sch\u00fcler_innen in militant extremistische Zusammenh\u00e4nge abzugleiten scheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Bearbeitung von Rechtsextremismus im lokalen Raum haben sich insbesondere in den neuen Bundesl\u00e4ndern Mobile Beratungsteams herausgebildet. Seit der Schwerpunktsetzung des von 2001-2006 laufenden Bundesprogramms \u201eJugend f\u00fcr Toleranz und Demokratie \u2013 gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus\u201c mit seinen Teilprogrammen \u201eCIVITAS\u201c, \u201eXenos\u201c und \u201eEntimon\u201c wurde erstmals auch die Akteursebene der Zivilgesellschaft als eine wesentliche Komponente in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus Rechnung getragen: Das Programm CIVITAS, das speziell f\u00fcr die Neuen Bundesl\u00e4nder geschaffen wurde und eine St\u00e4rkung der zivilgesellschaftlichen Kr\u00e4ften vor Ort anzielte, umfasste zwei F\u00f6rderschwerpunkte: (1) mit Mobilen Beratungsteams und Opferberatungsstellen ein Beratungsnetzwerk zu schaffen, welches \u00fcber die Laufzeit des Programms hinaus Bestand hat., (2) mit sog. \u201eLokalen Aktionspl\u00e4nen\u201c Mittel f\u00fcr lokale Initiativen und Projekte zur F\u00f6rderung von zivilgesellschaftlichen und demokratischen Strukturen im Gemeinwesen zur Verf\u00fcgung zu stellten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittlerweile gibt es die Mobilen Beratungsteams (MBTs) oder die Mobilen Beratungen gegen Rechtsextremismus (MBR) in fast allen Bundesl\u00e4ndern, wo sie von unterschiedlichen Tr\u00e4gern umgesetzt werden. Gemeinsam ist ihnen ein Vorgehen, das Analyse, Information und Beratung zum Umgang mit Rechtsextremismus in der Kommune verbindet und dem allgemeinen Ziel verpflichtet ist, die demokratischen Strukturen vor Ort zu st\u00e4rken. Dabei ist jedoch die zentrale Bedeutung, die den Fragen von Geschlechterrolle und Genderidentit\u00e4t im Rechtsextremismus und in Hass-Gruppen innewohnt, bisher nur ganz vereinzelt beherzigt worden (so z.B. bietet die Mobile Beratung Hamburg eine &#8222;Geschlechtersensible Beratung bei Vorf\u00e4llen mit rechtsextremistischem, rassistischem oder antisemitischem Hintergrund&#8220;).<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"#top\">nach oben<\/a><\/p>\n<h2><div class=\"divider\"><\/div><\/h2>\n<h2 id=\"Empfehlungen\">Genderempfehlungen<\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><div class=\"divider\"><\/div><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #009999;\">Empfehlungen zu gemeinwesenorientierter Arbeit \u2013 Kommunalzentren \/ \u201eInfohouses\u201c<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der internationale Austausch im RAN Netzwerk hat gezeigt, dass gerade in D\u00e4nemark und in den Niederlanden mit gro\u00dfem Erfolg bereichs\u00fcbergreifende lokale Teams und integrierte Arbeitsweisen eingerichtet wurden, in denen Polizei, Sozialarbeit (Fan-Arbeit, Streetwork, Clubs, etc.), Verfassungsschutz, Strafvollzug, Schulen, sowie Jugendhilfe (Drogenberatung, Sekten-Beratung, soziale Kompetenztrainings, freizeitorientierte Angebote, Ausbildungsberatung) und Gesundheitswesen (sozialpsychiatrischer Dienst) auf kommunaler Ebene eng miteinander kommunizieren. Hierbei haben diese unterschiedlichen lokalen Dienste intelligente Formen der Informationsaustausches und des konzertierten Eingreifens entwickelt. Nach au\u00dfen hin treten diese lokalen Arbeitsverb\u00fcnde als Kommunalzentren\/ \u201eInfohouses\u201c in Erscheinung, die die B\u00fcrger_innen als vertrauensvolle Kontaktstellen nutzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine besondere Relevanz haben diese Kommunalzentren seit dem mit dem B\u00fcrgerkrieg in Syrien und Irak entstandenen transnationalen Ph\u00e4nomen der &#8222;Foreign fighters&#8220; (der Kriegsfreiwilligen bzw. Kriegsr\u00fcckkehrer) erhalten. Hierdurch sind religi\u00f6se Thematiken der Familienberatung, Psychotrauma-Therapie sowie Ma\u00dfnahmen der Wiedereingliederung als neue Arbeitsfelder\/Kolleg_innen der Kommunalzentren hinzugekommen. Gerade die desillusionierte und\/oder schockierte R\u00fcckkehr von einem Aufenthalt in einem jihadistischen Kriegsgebiet von \u00e4u\u00dferster Brutalit\u00e4t stellt einen g\u00fcnstigen Zeitpunkt dar, an dem ein junger Mensch einen umfassenden psychosozialen Interventionsprozess und M\u00f6glichkeiten der Reintegration beschreiten kann. Da 10%, der aus Deutschland kommenden jihadistisch motivierten Kriegsfreiwilligen M\u00e4dchen\/ Frauen sind, wird es zuk\u00fcnftig auch darum gehen, verst\u00e4rkt geschlechtsspezifische Interventionen f\u00fcr radikalisierte junge Frauen zu entwickeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Deutschland wurden mit Blick auf von Rechtsextremismus gef\u00e4hrdete Regionen verschiedentlich Gemeinwesen-orientierte Konzepte entwickelt, die jedoch in aller Regel nicht in gleicher Weise praktisch fruchtbar werden, wie die Kommunalzentren in DK und NL dies tun. Die zentrale Handlungsempfehlung dieser Konzepte ist es, verschiedene lokale Organe und Akteur_innen f\u00fcr eine konzertierte Entwicklung des demokratischen Gemeinwesen zu gewinnen \u2013 und damit den Umtrieben von Rechtsextremismus, Fundamentalismus und Milieus des gruppenbezogenen Hasses proaktiv entgegen zu wirken. Dazu geh\u00f6ren im Wesentlichen folgende Schritte:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><span style=\"color: #009999;\">Vernetzung<\/span> mit funktionaler Steuerung von verschiedenen kommunalen Institutionen (Schule, Kindergarten, Jugendarbeit, Familien- und Jugendhilfe, Gerichtshilfe, St\u00e4dteplanung, Ordnungsamt, Polizei, Vereine, Sport, Religionsgemeinden, Gewerbetreibende u.a.m.)<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">F\u00f6rderung der Wahrnehmung<\/span> f\u00fcr das Problem und dessen verschiedenen Aspekte ,<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">Schulung von Kompetenzen der Erstreaktion bzw. spezifischer Interaktionskompetenzen<\/span> f\u00fcr die jeweilige Institution und deren Aufgabengebiet<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">Leitbildentwicklung<\/span> von Kommunen und Regionen<\/li>\n<li>die <span style=\"color: #009999;\">inklusive Aktivierung und Teilhabe<\/span> aller Bev\u00f6lkerungsschichten<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">Pr\u00e4ventionsprojekte<\/span> mit Kindern und Jugendlichen<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">\u00e4mter\u00fcbergreifendes Case Management<\/span> von rechtsextremen (jungen) Menschen (z.B. Zusammenarbeiten von Jugendhilfe und Justiz)<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">vertrauensvoller Austausch<\/span> von Zivilgesellschaft, staatlichen Institutionen und Sicherheitsbeh\u00f6rden auf gleicher Augenh\u00f6he<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr manche Regionen ist es wichtig in Gemeinwesen orientierten Konzepten auch eine Sensibilisierung zum Bereich islamistischer Extremismus herzustellen und mit Institutionen\/NGOs zusammen zu arbeiten, die \u00fcber gute Erfahrungen und Glaubw\u00fcrdigkeit in muslimisch gepr\u00e4gten Sozialr\u00e4umen verf\u00fcgen.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #009999;\">Spezifische Empfehlungen der genderorientierten Intervention im Gemeinwesen<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Belange von Gleichberechtigung, Geschlechterrollen und Gender-Identit\u00e4t, die f\u00fcr Extremismus\/ Fundamentalismus und Pr\u00e4vention von gro\u00dfer Bedeutung sind, werden in den Gemeinwesen-orientierten Konzepten bislang kaum beachtet. Rechtsextreme Frauen und M\u00e4dchen werden nach wie vor oft als das vermeintlich harmlose Geschlecht \u00fcbersehen, wenn sie, mit bestimmten Gemeinwesen-strategischen Funktionen versehen, im Elternbeirat, Sozialarbeit, in der Kita und in kommunalen Ehren\u00e4mter und im Vereinslebens Einfluss entfalten. Auch die von den rechtsextremen Organisationen gezielt in Anspruch genommen Themen mit Gender-Bezug (z.B. die kulturkonservativ gestimmte Ablehnung des Gender-Mainstreaming oder die Kampagne \u201eTodesstrafe f\u00fcr Kindersch\u00e4nder\u201c) werden nicht als organisierte Strategien erkannt und decouvriert. Im Bereich islamistischer Extremismus ist man in Deutschland noch zu selten darauf vorbereitet, den spezifischen Herausforderungen der sog. &#8222;Ehren-Delikte&#8220; gegen\u00fcber M\u00e4dchen\/Frauen gerecht zu werden (Zwangsverheiratung, Z\u00fcchtigung, Versto\u00dfung, Ehrenmord) \u2013 bzw. Formen des weiblichen Jihads und der m\u00e4nnlichen Vielehe zu begegnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wichtig es ist, die Gender-Aspekte des jeweiligen extremistischen Milieus wahrzunehmen, geht auch aus einem kriminologischen Befund hervor. Denn nicht nur werden bestimmte tradierte Konzepte der Frauenrolle sowie Gender-Themen von extremistischen Organisation systematisch zur Rekrutierung und Propaganda genutzt. Auch zeigen britische Kriminal-Kartographien, dass diejenigen Stadtbezirke, in denen viele Gender-basierte Konfliktlagen bestehen (was z.B. an der Rate der Zwangsehen, Ehren-Delikte und der Frequentierung von Frauen- und M\u00e4nnerh\u00e4usern bemessen werden kann), auch diejenigen Bezirke sind, in denen eine hohe Dichte von gewaltt\u00e4tig-extremistischen Vorf\u00e4llen besteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die l\u00e4ndlichen Region in Deutschland anbetrifft, kann seit langem beobachtet werden, dass gerade in strukturschwachen Regionen f\u00fcr M\u00e4dchen und junge Frauen zu wenig kulturelle, sportliche und soziale Angebote der Freizeitgestaltung, der Teilhabem\u00f6glichkeiten und zu wenige angemessene Ausbildungswege bestehen. Oft ist das Leben im Gemeinwesen allenfalls durch einen Fu\u00dfballverein und die freiwillige Feuerwehr bestimmt. Die kommunalen Ortsvereine und politischen Gremien sind gepr\u00e4gt von M\u00e4nnern. Die mangelnde Angebotsvielfalt f\u00fcr Frauen\/M\u00e4dchen bedingt, dass gerade M\u00e4dchen mit h\u00f6herem Schulabschluss, Mobilit\u00e4t und Ambition diese Regionen verlassen. Es bleiben junge Menschen mit prek\u00e4ren Berufsaussichten und geringer Mobilit\u00e4t zur\u00fcck die vorwiegend m\u00e4nnlichen Geschlechts sind. Diese Milieus sind erfahrungsgem\u00e4\u00df stark gef\u00e4hrdet, sich dem Rechtsextremismus zuzuwenden. In nur einem Landkreis in Ostdeutschland ist ein Projekt t\u00e4tig (Lola f\u00fcr Lulu), das bewusst Gender-Gesichtspunkte zur Rechtsextremismuspr\u00e4vention einsetzt. Beratungen und Fortbildungen f\u00fcr Kitas sowie Ma\u00dfnahmen der Beratung und Sensibilisierung an Schulen mit einem speziellen Schwerpunkt auf Gender und Rechtsextremismus werden im Landkreis Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern durch eine private Stiftung langfristig finanziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"#top\">nach oben<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #009999;\">Generelle Perspektiven von genderbewusster Gemeinwesenarbeit<\/span><\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><span style=\"color: #009999;\">Sensibilisierung und Fortbildung<\/span> von kommunalen Akteur_innen zur strategischen Rolle der Frauen im Rechtsextremismus und militanten Islamismus<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">M\u00e4dchenspezifische und gender-fokussierte Angebote<\/span> zur St\u00e4rkung menschenrechtlicher Haltungen in l\u00e4ndlichen Regionen<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">V\u00e4ter- und M\u00fcttergruppen<\/span> zur Bearbeitung von Gewalterfahrungen und Gender-repressive Traditionen (wie oben f\u00fcr den innerst\u00e4dtische Bezirke vermerkt)<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus<\/span> im lokalen Feld<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies kann im Konkreten folgende Aspekte und Ma\u00dfnahmen beinhalten: Die Einrichtung eines \u00e4mter\u00fcbergreifenden Kooperationsnetzwerks voranzutreiben, die das abgestimmte, feldnahe Vorgehen der Pr\u00e4vention und Intervention gegen Extremismus\/ Gewalt, Sexismus und Homophobie abstimmt, wobei nach d\u00e4nischem Vorbild (\u201eInfohouses\u201c) Polizei, Sozialarbeit (Fan-Arbeit, Streetwork, Clubs, etc.), Verfassungsschutz, Strafvollzug, Schulen, Jugendhilfe (Drogenberatung, Sekten-Beratung, soziale Kompetenztrainings, freizeitorientierte Angebote, Ausbildungsberatung) sowie das Gesundheitswesen (sozialpsychiatrischer Dienst) auf kommunaler Ebene eng miteinander kommunizieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daran angeschlossen, die Einrichtung eines Kommunalzentrums oder einer Servicestelle, in der die \u00e4mter\u00fcberreifende Kooperationen f\u00fcr die B\u00fcrger_innen direkt und in vertrauensgesch\u00fctzter Weise zug\u00e4nglich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #009999;\">Insbesondere scheinen Ma\u00dfnahmen ratsam, die die zivilgesellschaftlichen und kommunalen Akteur_innen vor Ort dazu bef\u00e4higen, \u2026<\/span><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><span style=\"color: #009999;\">der Verharmlosung und Normalisierung von sexistischen und homophoben \u00c4u\u00dferungen<\/span> im \u00f6ffentlichen Raum des Gemeinwesens auf effektive Weisen <span style=\"color: #009999;\">entgegenzutreten<\/span>, gerade auch dann, wenn dies im Kontext von rechtsaffinen oder -extremen \u00c4u\u00dferungen\/ Vorf\u00e4llen geschieht.<\/li>\n<li>die <span style=\"color: #009999;\">Unterst\u00fctzung und den Schutz derer zu gew\u00e4hrleisten, die in der Gemeinde stigmatisiert sind<\/span>, entweder weil sie vielfach gegen Sexismus, Homophobie und Rechtsextremismus eintreten (\u201eNestbeschmutzer\u201c) oder weil sie selbst als Person eine alternative, von der Norm abweichende Gender-Identit\u00e4t zum Ausdruck bringen.<\/li>\n<li>bei den Gemeindemitgliedern, die verbreiteten <span style=\"color: #009999;\">Muster des stillschweigenden Einverst\u00e4ndnisses anzusprechen<\/span>, die bei homophoben und sexistischen Vorf\u00e4llen nicht selten vorliegen \u2013 und alternative Reaktionsweisen anzubieten und einzu\u00fcben.<\/li>\n<li>entsprechend auch den <span style=\"color: #009999;\">Strategien der Verantwortungsverschiebung auf andere zu entgegnen<\/span> und M\u00f6glichkeiten zu weisen, die pers\u00f6nliche Verantwortung als menschenrechtsverpflichtete B\u00fcrger_in vor Ort situativ wahrzunehmen, ohne dass dadurch substantielle Selbstgef\u00e4hrdungen bedingt werden.<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">kommunale Veranstaltungen zu planen und durchzuf\u00fchren<\/span>, um extremistische, homophobe oder sexistische Konflikt- und Gewaltvorf\u00e4lle, die sich in der Gemeinde ereignet haben und dort weithin wahrgenommen wurden, in systematischer Weise zur allgemeinen Bewusstseinsbildung zu nutzen (z.B. in extern moderierten Gespr\u00e4chsforen, Mediationen, B\u00fcrgerforen) \u2013 und insbesondere zu verhindern, dass die sexistischen\/ homophoben Aspekte des Vorfalls nicht unter dem gro\u00dfen Schatten der Gewalt bzw. des Rechtsextremismus verborgen bleiben.<\/li>\n<li>nach dergleichen Vorf\u00e4llen und Gewalttaten, die einen (rechts)extremen und\/oder sexistisch\/homophoben Kontext hatten, <span style=\"color: #009999;\">ausdr\u00fcckliche Solidarit\u00e4t mit Opfern, deren Freuden und Familien zu bezeugen<\/span>.<\/li>\n<li>bei der Analyse der Gemeinde und ihrer <span style=\"color: #009999;\">\u00f6rtlichen Ereignisgeschichte<\/span> in Bezug auf Extremismus und Xenophobie auch die Kriterien Sexismus und Homophobie zu beherzigen.<\/li>\n<li>bei der Bestandsaufnahme der <span style=\"color: #009999;\">lokalen Potentiale und Optionen<\/span> von menschenrechtsbasierter Zivilgesellschaftlichkeit auch die Potentiale von Genderbewusstsein ausfindig zu machen.<\/li>\n<li>wenn st\u00e4dtische und l\u00e4ndliche Gemeinwesen bereits einvernehmliche Leitlinien und Leitbilder formuliert haben, welche allgemeinen Regeln des Umgangs bestehen sollen und welches Image die Gemeinde von sich nach au\u00dfen hin geben m\u00f6chte, dazu anzuregen, auch ausdr\u00fccklich <span style=\"color: #009999;\">Gender-orientierte Leitbilder<\/span> mit zu formulieren.<\/li>\n<li>die <span style=\"color: #009999;\">\u00f6rtlichen Vereine<\/span> (Sport, Sch\u00fctze,freiwillige Feuerweht, THW) in besonderer Weise mit einzubeziehen und spezifische Informationsveranstaltungen und Fortbildungen f\u00fcr Multiplikator_innen anzubieten.<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">\u00f6rtliche Schl\u00fcsselpersonen<\/span>, die eine hohe Pr\u00e4gungskraft auf die \u00f6rtliche Meinungsbildung der Mitb\u00fcrger_innen aus\u00fcben k\u00f6nnen, besonders mit einzubeziehen.<\/li>\n<li>in festen <span style=\"color: #009999;\">Kooperationen mit den Medien der Region<\/span> wie auch mit \u00fcberregionalen Medien zu arbeiten. Bei den regionalen Medien geht es darum, die Verschweigung oder Verharmlosung von Vorf\u00e4llen zu vermeiden, bei den \u00fcberregionalen Medien darum, dass sensationell-voyeuristische und \u00fcberm\u00e4\u00dfig skandalisierende Berichte unterbleiben. Letzteres gilt erfahrungsgem\u00e4\u00df vor allem f\u00fcr die Gender-relevanten Aspekte der Vorf\u00e4lle. Umso hilfreicher ist, wenn bei den Verantwortlichen das Bewusstsein daf\u00fcr unterst\u00fctzt wird, dass die etwaigen sexistischen und\/oder homophoben Aspekte solcher Vorf\u00e4lle der besonderen Aufmerksamkeit und des sorgsamen Umgangs bed\u00fcrfen, weil sie wichtige b\u00fcrgerliche Freiheitsrechte betreffen und einen hohen Pr\u00e4ventionswert haben.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"#top\">nach oben<\/a><\/p>\n<h2 id=\"Beispiele\">Bespiele<\/h2>\n<p>JUMP<br \/>\nKitab<br \/>\nLola f\u00fcr Lulu<br \/>\nMobile Beratungsteams z.B. von Kulturb\u00fcro Sachsen e.V. und Miteinander e.V.<br \/>\nV\u00e4teraufbruch Neuk\u00f6lln<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&gt; Allgemein: Lokal verankerte Beratungs- und Hilfeangebote &gt; Genderempfehlungen &gt; Beispiele Allgemein: Lokal verankerte Beratungs- und Hilfeangebote Gemeinwesen meint im Grunde das Gesamt der \u00f6rtlichen Zivil- und B\u00fcrger_innen-Gesellschaft in Verschr\u00e4nkung mit allen Sozial- und Bildungsangeboten &hellip; <a href=\"http:\/\/www.womex.org\/de\/arbeitsfelder\/gemeinwesenorientierte-ansaetze\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":25,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/735"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=735"}],"version-history":[{"count":40,"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/735\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":744,"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/735\/revisions\/744"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/25"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=735"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}