{"id":743,"date":"2014-10-28T14:45:31","date_gmt":"2014-10-28T12:45:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.womex.org\/?page_id=743"},"modified":"2015-05-11T15:24:50","modified_gmt":"2015-05-11T13:24:50","slug":"ausstiegsarbeit","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.womex.org\/de\/arbeitsfelder\/ausstiegsarbeit\/","title":{"rendered":"Ausstiegsarbeit"},"content":{"rendered":"<p><div class=\"divider\"><\/div> <div class=\"divider\"><\/div> <a href=\"#Allgemein\">&gt; Allgemein<\/a> <a href=\"#Arbeit\">&gt; Wie arbeitet Ausstiegshilfe?<\/a> <a href=\"#Aspekte\">&gt; Genderaspekte<\/a> <a href=\"#Empfehlungen\">&gt; Genderempfehlungen<\/a> <a href=\"#Beispiele\">&gt; Beispiele<\/a> <div class=\"divider\"><\/div> <div class=\"divider\"><\/div><\/p>\n<h2 id=\"Allgemein\">Allgemein<\/h2>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der folgende Artikel hat vor allem die Distanzierung von rechtsextremen Szenen zum Schwerpunkt. \u00dcber die gezielte Ausstiegsarbeit im Bereich militanter, religi\u00f6s begr\u00fcndeter Fundamentalismus sind unter Genderaspekten in Deutschland bislang vergleichsweise weniger Erfahrungen verf\u00fcgbar. In dieser Hinsicht wird die Zusammenarbeit mit dem Radicalisation Awareness Network in der Zukunft hilfreich sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten Angebote der Ausstiegshilfe in Deutschland sind entweder staatliche Angebote, die h\u00e4ufig von den Landesjugend\u00e4mtern eingerichtet wurden, oder Angebote von freien Tr\u00e4gern der Jugendhilfe in den einzelnen Bundesl\u00e4ndern. In manchen F\u00e4llen sind die Ausstiegsangebote bei den Landes\u00e4mtern des Verfassungsschutzes angebunden. Seit kurzem besteht die <a href=\"http:\/\/www.ausstiegzumeinstieg.de\/\" target=\"_blank\">Bundesarbeitsgemeinschaft &#8222;Ausstieg zum Einstieg&#8220; e.V.<\/a> (BAG Ausstiegsarbeit) als unabh\u00e4ngiger, bundesweit t\u00e4tiger Akteur im Feld der Ausstiegsarbeit. Die BAG Ausstiegsarbeit ist aus dem Kreis der ehemaligen Projekttr\u00e4ger des XENOS-Sonderprogramms &#8222;Ausstieg zum Einstieg&#8220; (2009 bis 2014) entstanden. Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hat im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums den Gr\u00fcndungsprozess der BAG begleitet. Die FES ist nicht Mitglied, aber versteht sich als deren Partner. Die BAG ist ein eigenst\u00e4ndig handelnder Akteur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Ausnahme von Sachsen-Anhalt verf\u00fcgt in Deutschland derzeit jedes Bundesland \u00fcber ein Angebot der Ausstiegshilfe f\u00fcr Angeh\u00f6rige von rechtsextremen Milieus. Die \u00fcberwiegende Anzahl der hilfesuchenden Ausstiegswilligen sind (junge) M\u00e4nner, die sich aus der Szene l\u00f6sen wollen bzw. gerichtliche Auflagen haben, dies zu tun. Der Anteil von Frauen ist derzeit nicht zweifelsfrei zu ermitteln und d\u00fcrfte sich bei etwa 3- 10% bewegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die methodische Bedeutung, die im Prozess der Arbeit den Thematiken der m\u00e4nnlichen und weiblichen Gender-Identit\u00e4t im Verst\u00e4ndnis von eigener M\u00e4nnlichkeit bzw. Weiblichkeit zukommt, ist noch nicht hinreichend ermittelt. Hingegen ist bemerkenswert, dass der Anteil der weiblichen Mitarbeiterinnen, die als Ausstiegsbegleiter_innen t\u00e4tig sind, betr\u00e4chtlich ist. Auch ist dies offenbar keineswegs zuf\u00e4llig erfolgt, sondern scheint Ausdruck eines gezielten, wenngleich noch nicht systematisierten Vorgehens mit Gender-Konnotation zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"#Allgemein\">Allgemein<\/a> | <a href=\"#Arbeit\">Wie arbeitet Ausstiegshilfe?<\/a> | <a href=\"#Aspekte\">Genderaspekte<\/a> | <a href=\"#Empfehlungen\">Genderempfehlungen<\/a> | <a href=\"#top\">nach oben<\/a><\/p>\n<p><div class=\"divider\"><\/div> <div class=\"divider\"><\/div><\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2 id=\"Arbeit\">Wie arbeitet Ausstiegshilfe?<\/h2>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im praktisch-strategischen Prozedere von Ausstiegshilfe gibt es zwei grunds\u00e4tzlich unterschiedliche Vorgehensweisen:<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #009999;\">Der stillen Ausstieg &#8211; &#8222;Damit fahren die kleinen Fische besser&#8220;:<\/span> Bei diesem Vorgehen werden so genannte \u201eLegenden\u201c entwickelt, mittels derer die Ausstiegwilligen ihrer Szeneumgebung gegen\u00fcber auftreten k\u00f6nnen, ohne Gef\u00e4hrdungen oder v\u00f6llig Isolation bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen. Hierbei werden &#8222;harmlose, lebensweltliche&#8220; Begr\u00fcndungen entwickelt, warum man nicht mehr aktiv in der Szene mitarbeiten kann. Es mag sich um finanzielle Gr\u00fcnde handeln (z.B. die Notwendigkeit Schulden abzubezahlen) oder um berufliche Ver\u00e4nderungen (Beginn einer Ausbildung, Bewerbung f\u00fcr oder Beginn einer neuen Stelle, die politisch sensibel ist) oder aber um famili\u00e4re Umst\u00e4nde (Verpflichtungen gegen\u00fcber Kindern). Famili\u00e4re und Gender-Themen m\u00f6gen hierbei durchaus eine zentrale Rolle spielen.<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">Die \u00f6ffentliche Distanzierung<\/span> \u2013 wird eher von \u201eprofilierteren Szenegr\u00f6\u00dfen\u201c gew\u00e4hlt. Hierbei werden die Ausstiegswilligen darin unterst\u00fctzt, sich klar und deutlich zu distanzieren und \u00f6ffentlich eine entsprechende Position zu beziehen. Dieser Weg des Ausstiegs muss besonders sorgf\u00e4ltig vorbereitet und aufw\u00e4ndig begleitet werden. Denn zum einen ist in diesem Verfahren ein sehr viel gr\u00f6\u00dferer pers\u00f6nlicher Ver\u00e4nderungsdruck zu gew\u00e4rtigen. Zum anderen wird die Person auf diesem Wege m\u00f6glicherweise auch als &#8222;Verr\u00e4ter an der Sache\u201c wahrnehmbar.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #009999;\"><strong>Die exemplarischen Arbeitsschritte von Ausstiegshilfe<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ausstiegwillige \u2013 oder distanzierungswillige \u2013 Person wendet sich an einen Tr\u00e4ger der Ausstiegshilfe; oder sie wird von Jugendarbeiter_innen oder vergleichbaren Hilfebereichen dorthin verwiesen. Vor Beginn der konkreten Einzelfallhilfe und Ausstiegsarbeit werden einige vorbereitende Schritte vollzogen, die n\u00f6tig sind, um den anvisierten Arbeitsprozess abzusichern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #009999;\">1. Analyse von Ver\u00e4nderungspotential und Ver\u00e4nderungsdruck<\/span> Zun\u00e4chst vollziehen die Mitarbeiter_innen zusammen mit der\/s Ausstiegwilligen einer genaue Rekonstruktion der gesamten Rahmensituation, in der sich die Person derzeitig befindet. Dies erfordert zun\u00e4chst auch, dass der\/die Ausstiegswillige eine Schweigepflichtentbindung erteilt, damit die Helfer_innen bei Beh\u00f6rden, Jugend\u00e4mtern, Polizei, Gerichtshilfe etc. die erforderlichen Hintergrundinformationen einholen und etwaige Kl\u00e4rungen erwirken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #009999;\">2. Anamnese und Motivationscheck<\/span> In einem zweiten Arbeitsschritt geht es darum, im vertieften Einzelgespr\u00e4chen die\/den Ausstiegswillig_e noch genauer kennen zu lernen, so dass eine Analyse von deren Ver\u00e4nderungspotential und Ver\u00e4nderungsdruck erfolgen kann. Bei der Sondierung des Ver\u00e4nderungspotentials\/-drucks erkunden die Mitarbeiter_innen systematisch vier Dimensionen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die pers\u00f6nliche Dimension: Welche Selbstwahrnehmung, sozialen\/ kognitive Kompetenzen sowie Lebensw\u00fcnsche\/-ziele bestehen? Wie gestalten sich Familie, Freunde, und Beziehungen der Person? Welche\/r jugendkulturelle Hintergrund, Musikvorlieben, Mediengewohnheiten, und Freizeitvorlieben liegen vor?<\/li>\n<li>Die spezifischen Problemlagen: Welche besonderen Herausforderungen stellen sich hinsichtlich Substanzabh\u00e4ngigkeiten (Alkohol etc.), finanzielle Verschuldung, Wohnungssituation, Bildungsabschluss, berufliche Lage? Bestehen psychosoziale Risikofaktoren bestehen, z.B. in Bezug auf Affektkontrolle und Gewalthandeln bzw. psychische Stabilit\u00e4t und psychotraumatische Belastungen?<\/li>\n<li>Die externe Szeneverortung und strafrechtliche Vorgeschichte: Geh\u00f6rt die Person zum Kader von extremistischen Organisationen? Welche Ebene, Hierarchieposition und Funktionen nimmt sie wahr? Seit wann ist sie in der Szene? Inwiefern handelt es sich eher um eine\/n &#8222;Gelegenheits-Nazi&#8220;, der nur anlassgebunden an Szeneaktivit\u00e4ten Anteil hat, oder um eine fest integrierte und sozusagen repr\u00e4sentative Figur der Szene? Gemessen an den polizeilichen und anderen Unterlagen, welche Vorgeschichte an Delikten, Strafen und Rehabilitationsma\u00dfnahmen besteht? Welche Gewaltakzeptanz und welches Risiko des impulsiven Gewalthandelns liegen vor?<\/li>\n<li>Die individuelle Szeneverortung und die pers\u00f6nliche Haltung in Bezug auf Rechtsextremismus: Welcher Grad der &#8222;emotionalen Bindung an&#8220; und sozialen Verkn\u00fcpfung mit rechtsextremistischen Kontexten liegt vor? In anderen Worten, welche psychosozialen Funktionen hat die Szenezugeh\u00f6rigkeit f\u00fcr die Person? Wie ist ihre Wahrnehmung der pers\u00f6nlichen Gef\u00e4hrdung durch einen Ausstieg oder eine Distanzierung? Welche Beweggr\u00fcnde sind es, die der Person die Absicht eingegeben haben, sich aus den derzeitigen Bez\u00fcgen zur rechtsextremen Szene zu l\u00f6sen? Was stellt sie sich unter einer solchen Abl\u00f6sung oder unter einem Einstieg vor?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">In allen vier Dimensionen k\u00f6nnen Gender-bedingte Gesichtspunkte eine wesentliche Rolle spielen, insbesondere in den pers\u00f6nlichen und individuellen Dimensionen. Gerade was die Motivation zum Ausstieg betrifft, kann beobachtet werden, dass neue Partner_innen, und eine mit ihnen verbundene ver\u00e4nderte Wahrnehmung von intimer Partnerschaft, in der Herausbildung der Ausstiegsmotivation nicht selten eine wesentliche Rolle spielen. Auch die h\u00e4ufig zu verzeichnende Entt\u00e4uschung und Desillusionierung \u00fcber die Szene hat nicht selten mit spezifischen Verengungen und Konflikten in den dort praktizierten Entw\u00fcrfen von M\u00e4nnlichkeit oder Weiblichkeit zu tun. Im Einzelfall mag auch das Comingout von homo- oder bisexuellen W\u00fcnschen ein Wirkungsfaktor sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #009999;\">3. Priorisierung: Existenz sichern &#8211; Sicherheit gew\u00e4hrleisten \u2013 Hilfeplan erstellen<\/span> Im dritten Arbeitsschritt wird ein Hilfeplan ausgearbeitet, der in eine Art Vertrag oder Vereinbarung zwischen Klient_in und Ausstiegshilfe m\u00fcndet. Die durch diese feste Vereinbarung hergestellte Verbindlichkeit ist eine zentrale Voraussetzung f\u00fcr das Gelingen der Arbeit. Da Szeneangeh\u00f6rigen wie Aussteiger_innen in ihren Biografien h\u00e4ufig zahlreiche belastende Erfahrungen des Beziehungsabbruchs gemacht haben, muss zun\u00e4chst die Verbindlichkeit dieser neuen Arbeitsbeziehung beiderseitig ausdr\u00fccklich formuliert werden. Hierbei m\u00fcssen auch Vorkehrungen dahingehend getroffen werden, wie man bei aufkommenden Zweifeln an der Verbindlichkeit und bei einer Verfehlung der Vereinbarung konkret vorgehen will, um L\u00f6sungen zu erwirken. Von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung f\u00fcr die Begleitung eines Ausstiegsprozesses \u2013 wie \u00fcberhaupt aller Formen intensiver Pr\u00e4ventions- und Rehabilitationsarbeit \u2013 ist es, eine sichere Vertrauensebene zwischen Ausstiegsbegleiter_in und ausstiegswilligem\/r Klienten_in herzustellen und zu pflegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #009999;\">Zielvorgaben:<\/span> In dieser Arbeitsvereinbarung sind Zielstellungen festgehalten, die aus der gemeinsam vollzogenen Kl\u00e4rung des derzeitigen Ausgangszustandes, der Anamnese, erarbeitet wurden. Beispielsweise kann ein vordringliches pers\u00f6nliches Entwicklungsziel darin bestehen, bestimmte Muster des Aggressions- und Gewalthandelns aufzul\u00f6sen bzw. bestimmte Wiederholungsverl\u00e4ufe von so genannten \u201eGewaltspiralen\u201c zu durchbrechen. Oder aber es wird das Unterlassen bestimmter (ressentimenthafter oder menschenverachtender) \u00c4u\u00dferungsweisen und das Erlernen bestimmter alternativer Verhaltensweisen vereinbart. Gegebenenfalls k\u00f6nnen auch bestimmte Ma\u00dfnahmen der \u00f6ffentlichen Positionierung ein pers\u00f6nlich gefasstes Ziel darstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #009999;\">W\u00fcnsche:<\/span> Dabei ist es eine besondere Aufgabe der Ausstiegshilfe, diejenigen pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnisse und Lebensw\u00fcnsche mit einzubeziehen, die f\u00fcr die Zugeh\u00f6rigkeit der Person zur Szene ausschlaggebend waren. Der Ausstieg muss f\u00fcr den\/die Ausstiegswillige als pers\u00f6nlich sinnvoll und bed\u00fcrfnisgerecht empfunden werden. Deshalb werden sogenannte funktionale \u00c4quivalente erarbeitet. Hierbei wird f\u00fcr die Szene-typischen Formen der Befriedigung von bestimmten pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnissen ein Ersatz \u2013 funktionales \u00c4quivalente \u2013 entwickelt. (&#8230;) Mit diesen spezifischen Bed\u00fcrfnislagen m\u00f6gen sich auch konkrete W\u00fcnsche der Person nach dem Aufbau einer bestimmten beruflichen und privaten Lebensperspektive verbinden. Dass der Perspektive von Gender und Gender-bedingtem Verhalten beim Umgang mit den pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnisse und Lebensw\u00fcnsche von Klient_innen eine gro\u00dfe Bedeutung zukommt, ist evident. Denn das Bed\u00fcrfnis nach Kameradschaft\/Zusammenhalt, nach Spannung\/Thrill oder nach politischer Auseinandersetzung sind vielfach Gender-konnotiert. Bed\u00fcrfnisse nach Stabilisierung des psychischen Befindens sind es ebenso. Ferner mag neben den spezifischen pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnissen noch der Wunsch hinzukommen, verantwortliche Elternschaft zu \u00fcbernehmen und Kindern in bestimmter (stets Gender-konnotierter) Weise Mutter oder Vater zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #009999;\">Zust\u00e4ndigkeiten:<\/span> Um der F\u00fclle von f\u00fcr solche komplexe Arbeitsprozess relevanten Gesichtspunkte gerecht werden zu k\u00f6nnen, arbeiten die Ausstiegshilfen mit einer Reihe von Kooperations-Partnern zusammen, die je nach Bedarf und in Absprache mit den Klienten_innen hinzugezogen werden (z.B. Anti-Gewalt-Trainings, Schulden-\/Suchtberatung, Psychotherapie, Mutter-Kind-Einrichtungen, Sportangebote).<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"#Allgemein\">Allgemein<\/a> | <a href=\"#Arbeit\">Wie arbeitet Ausstiegshilfe?<\/a> | <a href=\"#Aspekte\">Genderaspekte<\/a> | <a href=\"#Empfehlungen\">Genderempfehlungen<\/a> | <a href=\"#top\">nach oben<\/a><\/p>\n<p><div class=\"divider\"><\/div> <div class=\"divider\"><\/div><\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2 id=\"Aspekte\">Genderaspekte<\/h2>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Die Genderaspekte der Ausstiegshilfen wurden bisher von den in diesem Bereich T\u00e4tigen nicht systematisch konzeptionell bedacht \u2013 oft aber intuitiv beherzigt. So sind in der unmittelbaren Praxiserfahrung mitunter folgende geschlechtsspezifische Arbeitsstrategien wahrgenommen worden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #009999;\">Teambesetzung<\/span><\/strong> Ausstiegsbegleiter_innen bieten sich meist als m\u00e4nnliche, manchmal auch als weibliche Rollenvorbilder an, die eine Alternative zu den bisherigen Vorstellungen und Erfahrungen der Klient_in darstellen. In F\u00e4llen, in denen einer Person die Arbeitsbeziehung zu einem Mann oder einer Frau aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden schwer f\u00e4llt oder diese Arbeit f\u00fcr sie zu konflikthaft besetzt ist, wird in gleichgeschlechtlicher Konstellation gearbeitet. Andererseits wird dort bewusst gegengeschlechtlich gearbeitet, wo das gleichgeschlechtliche Arbeiten konfliktreich besetzt ist (was manchmal bei m\u00e4nnlichen Klienten der Fall ist, die stark von Konkurrenzgef\u00fchlen bestimmt sind bzw. hinderliche Aversion gegen\u00fcber einem als nicht hinreichend maskulin wahrgenommenem Gegen\u00fcber haben). Hier muss abgewogen werden, wann, wie und in welchem Umfang die Bearbeitung der psycho-traumatische bzw. Gender-bedingten Affektlagen in den Ausstiegsprozess Eingang finden kann. <strong><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #009999;\">Gender als Thema der Ausstiegsarbeit<\/span><\/strong> Geschlechtsspezifische Rollenvorstellungen, die bei der Hinwendung zum rechtsextremen Milieu und bei den Szeneaktivit\u00e4ten von Bedeutung waren, werden im Ausstiegsprozess thematisiert. Bisher werden im Allgemeinen nur Vorstellungen von M\u00e4nnlichkeit zum Thema gemacht. Eher ausnahmsweise sind auch die Fragen der Haltung zu selbstbestimmten Frauen und homosexuellen Personen systematischer Teil der Ausstiegsarbeit. Vereinzelt beginnt man damit, M\u00e4dchen- und Frauen-spezifische Herangehensweisen der Ausstiegshilfe zu konzipieren (so z.B. von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt [ARUG] in Niedersachsen [Stand Sommer 2014]). Frauen, die die rechtsextreme Szenen aufsuchen, sind h\u00e4ufig von k\u00f6rperlicher St\u00e4rke, \u201em\u00e4nnlich\u201c-dominantem Auftreten und martialischen Ausdrucksformen fasziniert. Darin enthalten ist manchmal auch ein ausgepr\u00e4gtes Bed\u00fcrfnis nach m\u00e4nnlichem Schutz. Diesem Schutzbed\u00fcrfnis im Ausstiegsprozess auf geeignete Weise Rechnung zu tragen, stellt eine besondere Herausforderung der Ausstiegshilfen f\u00fcr Frauen dar. Beziehungen und Ehen zwischen rechtsextrem orientierten Partnern sind nicht selten auch von h\u00e4uslicher Gewalt und \u00dcbergriffen gepr\u00e4gt. Ausstiegswillige Frauen, die gleichzeitig einen ihr gegen\u00fcber gewaltt\u00e4tigen Partner verlassen, m\u00f6gen von diesem und dessen unmittelbarem Kameradschaftskontext umso mehr bedroht sein. Diejenigen Frauen, die in rechtsextremen und\/oder Hass-gepr\u00e4gten und gewaltt\u00e4tigen Gruppen selbst zu T\u00e4terinnen werden, tun dies manchmal deshalb, weil sie dadurch die Unterdr\u00fcckung und den geringen sozialen Stellenwert aufwiegen wollen, den sie in ihrem Herkunftsmilieu und teilweise auch innerhalb der Szene innehaben. Das damit verbundene, mitunter nur verdeckt wirksame geringe Selbstwertgef\u00fchl stellt dann eine besondere Herausforderung an die Ausstiegsarbeit dar. Denn diese zielt ja auf eine dezidierte und selbstbewusste pers\u00f6nliche Entscheidung zur Losl\u00f6sung ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Thematik, die \u00fcberwiegend bei weiblichen Ausstiegswilligen in Erscheinung treten und die auf allen Ebenen der psychosozialen Arbeit mit diesen Frauen eine Rolle spielen k\u00f6nnen, sind Erfahrungen des sexuellen \u00dcbergriffs. Hier scheint es ratsam, begleitend zum Ausstiegsprozess weitergehende therapeutische Hilfen zug\u00e4nglich zu machen. Diejenigen Frauen, die in rechtsextremen Szenen aktive und aggressive Rollen annehmen, verfolgen dabei manchmal eher indirekte, passiv-aggressive Strategien des Agierens. Sie stacheln manchmal eher die M\u00e4nner zur Gewalt an, als dass sie selbst zur handgreiflichen T\u00e4terin werden (etwas nach dem Muster: \u201eDer Ausl\u00e4nder hat mich angemacht. Mach(t) was!\u201c) Diese Handlungsmuster des subtil-indirekten Gewaltagierens, m\u00f6gen aber auch im Ausstiegsprozess noch als \u201eganz normal\u201c empfunden werden, so dass sie sich der Aufarbeitung in der p\u00e4dagogischen Situation entziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #009999;\">\u00dcberlegungen dazu, warum M\u00e4dchen und Frauen in nur sehr geringem Ma\u00df Ausstiegsprogramme in Anspruch nehmen<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da Frauen nur selten wegen vorurteilsmotivierten (Gewalt-)Aktivit\u00e4ten festgenommen bzw. verurteilt werden, versp\u00fcren sie in geringerem Ma\u00df das Bed\u00fcrfnis nach Ausstieg. Denn der Druck durch drohenden Strafen und Auflagen, der bei m\u00e4nnlichen Ausstiegswilligen nicht selten eine ma\u00dfgebliche Rolle spielt, ist hier nicht gegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wege, auf denen ausstiegswillige Personen in ihrem Umfeld von den lokal erreichbaren Einrichtungen der Ausstiegshilfe erfahren, sind eher informeller und kolloquialer Natur. Freunde, p\u00e4dagogische Bezugspersonen, das Arbeitsumfeld, Lokalmedien oder vergleichbare Gespr\u00e4chskan\u00e4le m\u00f6gen den Hinweis geben. Das Wissen um einen positiven Ausstiegsverlauf eines\/r Bekannten oder einer namhaften Person aus der Region gibt eventuell den Ansto\u00df, die Existenz der Ausstiegshilfe st\u00e4rker wahrzunehmen. Da nur wenige M\u00e4dchen und Frauen \u00fcber die Ausstiegshilfe aussteigen, gibt es auch kaum vorbildhafte Geschichten \u00fcber so ein Hilfsangebot.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ausstieg aus dem rechtsextremen Umfeld ist f\u00fcr Frauen generell komplexer als f\u00fcr M\u00e4nner; und er ist schwieriger zu bewerkstelligen. Das h\u00e4ngt mit dem Frauenbild der rechtsextremen Szene zusammen. Denn die Frau hat dort eine sehr akzentuierte Gender-definierte Rolle inne, die vorsieht, dass sie die M\u00e4nner der Szene \u2013 und den m\u00e4nnlichen Partner insbesondere \u2013 umf\u00e4nglich unterst\u00fctzt und dass sie den M\u00e4nnern\/ ihrem Partner und der politischen Sache in vielfacher Hinsicht &#8222;zur Verf\u00fcgung&#8220; steht. In anderer und st\u00e4rkerer Weise als die M\u00e4nner sind die Frauen der politische Sache sozusagen besitzhaft zugeordnet. Auch wurden diese impliziten Besitzanspr\u00fcche von vielen weiblichen Szeneangeh\u00f6rigen bewusst als eigener Weiblichkeitsentwurf akzeptiert und vorgelebt, so dass sie ein verb\u00fcrgtes Element der Szene sind. Der Ausstieg einer Frau ist somit h\u00e4ufig mit dem pers\u00f6nlichen Verlassen eines szenezugeh\u00f6rigen Mannes verbunden und wird, auch ohnedies, von der Szene als eine st\u00e4rkere Kr\u00e4nkung und sozusagen als doppelter Verrat an der Sache wahrgenommen. Der Ausstiegsprozess einer Frau kann dadurch noch erheblich kompliziert werden, dass aus der Beziehung mit dem ebenfalls szeneangeh\u00f6rigen Mann Kinder hervorgegangen sind. Denn diese Kinder werden m\u00f6glicherweise im Sinne von rechtsextremen Vorstellungen der Volksgemeinschaft als Besitz der Szene angesehen, dessen Entwendung eine weitere Kr\u00e4nkung der Mitglieder der Szene hervorrufen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Zusammenarbeit mit Praxisfachpersonen des Radicalisation Awareness Network der Europ\u00e4ischen Kommission wurde deutlich, dass sich in diesen belange viele Parallelen zu Ph\u00e4nomenen der Banden-Kriminalit\u00e4t in Gro\u00dfbritannien finden lassen, die in der interdisziplin\u00e4ren Zusammensicht aufschlussreich sein k\u00f6nnen. (Zur Thematik archaische\/vormoderne Geschlechterrollenvorstellungen.)<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"#Allgemein\">Allgemein<\/a> | <a href=\"#Arbeit\">Wie arbeitet Ausstiegshilfe?<\/a> | <a href=\"#Aspekte\">Genderaspekte<\/a> | <a href=\"#Empfehlungen\">Genderempfehlungen<\/a> | <a href=\"#top\">nach oben<\/a><\/p>\n<p><div class=\"divider\"><\/div> <div class=\"divider\"><\/div><\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2 id=\"Empfehlungen\">Genderempfehlungen<\/h2>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #009999;\"><strong>Erreichbarkeit von M\u00e4dchen\/Frauen f\u00fcr Distanzierungsprozesse<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie M\u00e4dchen und Frauen als extremistische Akteurinnen und T\u00e4terinnen oft untersch\u00e4tzt und \u00fcbersehen werden, so wird bislang auch die Notwendigkeit \u00fcbersehen, spezifisch ausgerichtete Distanzierungsangebote f\u00fcr M\u00e4dchen und Frauen zu entwickeln und zu erproben. Besonders g\u00fcnstige Einstiegsbereiche hierf\u00fcr k\u00f6nnten die familienorientierten Beratungsstellen, Mutter-Kind-Einrichtungen bzw. Jugendhilfeeinrichtungen sein, aber, mit Blick auf das Thema &#8222;h\u00e4usliche Gewalt&#8220;, auch die Frauenh\u00e4user. Insofern gewaltaffine und rechtsextrem ausgerichtete M\u00e4dchen und Frauen zwar in vergleichsweise geringem Umfang auch im Justizvollzug anzutreffen sind, w\u00e4re auch hier spezifisch anzusetzen. Der Justizvollzug Frauen \u2013 in Vechta und in Berlin \u2013 hat hier auch bereits Erfahrungen gesammelt, besonders in Bezug auf stark gewaltt\u00e4tige Frauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Jugend- und Familienhilfeeinrichtungen hingegen tendieren freilich dazu, in ihren Klient_innen vor allem den Hilfsbedarf im engeren Sinn zu sehen, f\u00fcr den sie als Einrichtung sozusagen zust\u00e4ndig sind, wie z.B. Frauenh\u00e4user in erster Linie den Schutz vor gewaltt\u00e4tigen Partnern gew\u00e4hren und trauma-therapeutische Ersthilfe geben. Die Bearbeitung des Szenekontexts der Klientin werden dabei in aller Regel nicht Teil des Hilfeplans. Mithin ist die Gefahr gro\u00df, dass die Klient_innen nach Beendigung des Hilfeverh\u00e4ltnisses in ihre alten Gruppen- und Verhaltenskontexte zur\u00fcckkehren und ihre rechtsextreme Zugeh\u00f6rigkeit und Aktivit\u00e4ten vollends unbearbeitet bleiben, obwohl sie zumeist integraler Bestandteil der entstandenen Hilfebed\u00fcrftigkeit sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ferner ist die pers\u00f6nliche Elternschaft erfahrungsgem\u00e4\u00df ein guter Moment, um Ver\u00e4nderungen der Lebenshaltung anzusto\u00dfen bzw. umzusetzen. Auch kommen werdende Eltern, vor allem junge M\u00fctter mit einer Vielzahl von Familien- und Jugendhilfeangeboten in Kontakt. Entsprechend ratsam scheint es, Familienhelfer_innen, Hebammen, Mutter-Kind-Einrichtungen, Jugend\u00e4mter u.a. dahingehend zu sensibilisieren und ihnen Interventionskompetenzen zu vermitteln. Umso aussichtsreicher ist, im Kontext von familienorientierter Hilfen M\u00f6glichkeiten des Coachings von Klient_innen durch die Mitarbeiter_innen zu schaffen, die diese darin unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, sich schrittweise und nachhaltig von der rechtsextremistischen Szenezugeh\u00f6rigkeit zu distanzieren \u2013 und die dort gemachten Erfahrungen pers\u00f6nlich zu bearbeiten. <strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #009999;\"><strong>Genderbewusste Distanzierung: Themen\/ Strategien f\u00fcr M\u00e4dchen- und Frauen-orientierten Ausstiegsarbeit und die Gef\u00e4hrdeten-Ansprache<\/strong><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #009999;\">Freundschafts- und Partnerschaftsbeziehungen<\/span> zu M\u00e4dchen\/ Frauen und Jungen\/M\u00e4nnern au\u00dferhalb von rechtsextremistischen Kreisen st\u00e4rken!<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">M\u00e4dchenspezifische Empowerment-Angebote:<\/span> Schutz durch Beziehung ja \u2013 Abh\u00e4ngigkeit nein! Der Schutz und die St\u00e4rkung, die M\u00e4dchen\/ Frauen (wie auch Jungen\/M\u00e4nner) durch die nahe Beziehung zu einem\/r Partner_in erfahren, ist sch\u00e4tzenswert. Die Beziehungsbed\u00fcrfnisse der Person sind in jedem Fall ernst zu nehmen. Sollten sich daraus jedoch Abh\u00e4ngigkeit- und Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnisse ergeben, besteht Anlass, einen Prozess des Bearbeitens und der Abl\u00f6sung anzuregen. Hierbei k\u00f6nnen Ressourcen-orientiert alternative M\u00f6glichkeiten der Selbstst\u00e4rkung unterst\u00fctzt werden.<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">Behutsame Trauma-therapeutische Ersthilfe mit einbeziehen:<\/span> Frauen in der Ausstiegshilfe haben oftmals Erfahrungen mit famili\u00e4rer, h\u00e4uslicher Gewalt, sexuellem Missbrauchserfahrungen und \u00dcbergriffen aus der eigenen Clique. Diese Themen k\u00f6nnen von den Aussteigerinnen h\u00e4ufig erst sehr sp\u00e4t und nur teilweise thematisiert werden.<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">Soziale und politische Anliegen der jungen Frauen aufgreifen und Engagement st\u00e4rken!<\/span> Wo ein pers\u00f6nlicher Wille zum sozialen und politischen Engagement erkennbar ist, kann dieser gef\u00f6rdert und es k\u00f6nnen gangbare Bet\u00e4tigungsfelder eruiert werden (Umweltschutz, Globalisierungskritik, Menschenrechtsarbeit, kirchlich-soziale Arbeit, soziale Gerechtigkeit, Tierschutz, freiwilliges soziales oder kulturelles Jahr)<\/li>\n<li><span style=\"color: #009999;\">Jugendkulturelle Kreativit\u00e4t aufgreifen und unterst\u00fctzen!<\/span> Wo sie eine Neigung zu kreativem oder (jugend-)kulturellem Ausdruck zeigt, kann dies aufgegriffen und in Bahnen geleitet werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #009999;\"> Spezifische Gesichtspunkte bei der Distanzierungsarbeit mit rechtsextremen Elternteilen<\/span><\/strong> Bei der Arbeit mit ausstiegswilligen Eltern, bei denen entweder nur die Mutter oder der Vater die Szene verlassen wollen, stellen sich besondere Herausforderungen. Die Ausstiegsarbeit wird ggf. mit Erziehungsberatung verbunden sein m\u00fcssen. Das Kindeswohl und der Schutz der Kinder vor m\u00f6glichen negativen Auswirkungen der Szenezugeh\u00f6rigkeit stehen als zentrales Thema im Mittelpunkt der Arbeit. Der Ausstieg von M\u00fcttern aus der Szene kann sich wegen Bedrohung durch Gewalt\/Repressalien bzw. durch Kindesentf\u00fchrung besonders schwierig gestalten. Eine funktionale Vernetzung der Ausstiegs-\/Distanzierungsarbeit mit den Bereichen der Jugend- und Familienhilfe sowie der Rechtsprechung\/Strafrechtspflege scheint angeraten. Denn den Praktizierenden m\u00fcssen die besonderen Schwierigkeiten bei der Trennung\/Scheidung von Eltern infolge von Ausstiegsprozessen bewusst sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #009999;\">Ver\u00e4nderungsdruck erh\u00f6hen<\/span><\/strong> Die Rolle, die Frauen im Rechtsextremismus einnehmen, bedingt f\u00fcr die Arbeit von Polizei und Justiz eine besondere Herausforderung. Praktiker_innen der Ausstiegshilfe berichten, dass sie mit den weiblichen (Gewalt-) Akteurinnen der rechtsextremen Szene kaum in Kontakt kommen und somit keine Einwirkungsm\u00f6glichkeiten erhalten. Denn deren Taten und Aktivit\u00e4ten w\u00fcrden nicht geahndet. Aufgrund der so genannten \u201eGenderblindheit\u201c tendieren Polizei und Justiz dazu, weibliche T\u00e4terschaft zu untersch\u00e4tzen oder zu \u00fcbersehen, so dass die M\u00e4dchen\/ Frauen nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Somit entsteht f\u00fcr sie kein unmittelbarer Anlass\/ Druck, sich mit dem eigenen extremistischen Handeln auseinanderzusetzen. Eine h\u00e4ufige Forderung von Praktiker_innen ist deshalb, den Gewaltbegriff auszudehnen und auch Tatbest\u00e4nde der \u201evorurteilsmotivierten Gewaltakzeptanz\u201c anzuerkennen. Praktiker_innen sehen vorurteilsmotivierte Gewaltakzeptanz z.B. dann gegeben, wenn junge Frauen bei Gewalt\u00fcbergriffen ihre m\u00e4nnlichen Cliquenmitglieder anfeuern oder unterst\u00fctzen (und dieses Verhalten jedenfalls nicht verhindern oder zur Anzeige bringen), oder wenn Frauen Texte \u00fcbersetzen und in Nachbarschaft und Internet verbreiten, die zu Gewalt und Hass und Gewalt gegen\u00fcber Dritten aufrufen. Soweit es im Kontext von Strafverfolgung und Rechtspflege derzeit m\u00f6glich ist, w\u00e4re deshalb gerade bei Frauen mehr auf Handlungen der Beihilfe, Anstiftung und unterlassenen Hilfeleistung zu achten. Denn wenn diese verl\u00e4sslich geahndet werden, entstehen Ansatzpunkte f\u00fcr Distanzierung, Ausstieg und Rehabilitierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"#Allgemein\">Allgemein<\/a> | <a href=\"#Arbeit\">Wie arbeitet Ausstiegshilfe?<\/a> | <a href=\"#Aspekte\">Genderaspekte<\/a> | <a href=\"#Empfehlungen\">Genderempfehlungen<\/a> | <a href=\"#top\">nach oben<\/a><\/p>\n<div class=\"divider\"><\/div>\n<h2 id=\"Beispiele\">Beispiele<\/h2>\n<p><div class=\"divider\"><\/div> (R)auswege, ARUG,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.ausstiegzumeinstieg.de\/\" target=\"_blank\">Bundesarbeitsgemeinschaft &#8222;Ausstieg zum Einstieg&#8220; e.V.<\/a> (BAG Ausstiegsarbeit)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&gt; Allgemein &gt; Wie arbeitet Ausstiegshilfe? &gt; Genderaspekte &gt; Genderempfehlungen &gt; Beispiele Allgemein Der folgende Artikel hat vor allem die Distanzierung von rechtsextremen Szenen zum Schwerpunkt. \u00dcber die gezielte Ausstiegsarbeit im Bereich militanter, religi\u00f6s begr\u00fcndeter &hellip; <a href=\"http:\/\/www.womex.org\/de\/arbeitsfelder\/ausstiegsarbeit\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":25,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/743"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=743"}],"version-history":[{"count":42,"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/743\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":810,"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/743\/revisions\/810"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/25"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.womex.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=743"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}