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Aufsuchende Jugendarbeit

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Allgemein

Andere gebräuchliche Begriffe für diesen Bereich sind Straßensozialarbeit / Streetwork. Ein wesentliches Merkmal dieser Arbeit ist, dass die Sozialarbeiter_innen die Jugendlichen im öffentlichen Raum aufsuchen und quasi zu Gast sind auf den Plätzen, Parkbanken, Bushaltestellen, aber auch in selbstverwalteten Räumen, an denen sich Jugendcliquen aufhalten. Die aufsuchende Jugendarbeit ist Lebenswelt- und sozialraumorientiert und vereint Gruppenarbeit mit Einzelfallhilfe und Gemeinwesenarbeit. Es wird mit der freiwilligen Beteiligungen der Jugendlichen gearbeitet zu Beginn vor allem mit niedrigschwelligen Angeboten. Jedoch ist die Arbeit beziehungsintensiv. Je nach Bedarf wird versucht, im jeweiligen Sozialraum fehlende Angebote auszugleichen, bestehende Konfliktlagen zu moderieren und einzelnen Jugendlichen Hilfen in besonderen Lebenslagen zu geben. Geschlechterrollen und gender-bedingte Interaktionsformen sind hier unmittelbar im sozialen Feld sichtbar und können von den Kolleg_innen direkt vor Ort miterlebt werden. Umso mehr kann dann das spätere, vertrauensvolle Gespräch sehr genau auf die spezifisch gender-bedingten Dynamiken der Clique zurückkommen und diese erlebnisnah reflektieren.

Die aufsuchende Jugendarbeit hat die Möglichkeit, natürliche Jugendgruppen im öffentlichen Raum gezielt anzusprechen – gerade auch solche Gruppen, die durch Äußerungen von gruppenbezogenem Hass und Menschenfeindlichkeit und durch rechtsextreme bzw. islamistische Bezüge auffallen. Diese voraussetzungsreiche Arbeit muss sehr sensibel angegangen werden und kann nur unter bestimmten Bedingungen wirksam werden. Dazu gehört, dass erfahrene Fachkräfte eingesetzt werden, die mindestens in Zweier-Teams arbeiten. Die Finanzierung der Personalstellen sollte langfristig gesichert sein.

Ferner ist notwendig, dass neben der direkten Arbeit mit den Jugendlichen genügend Zeit für Reflektion und Nachbereitung zur Verfügung stehen. Ohne Supervision, Fallberatung und finanzielle Ressourcen, die es ermöglichen, gezielte Interventionen und ggf. gender-fokussierte Angebote einzubringen, wird man kaum Wirkung erzielen können.

Sehr gute Interventionsmöglichkeiten bestehen vor allem bei den jüngeren Jugendlichen (13 bis 16). Hier kann die kontinuierliche Unterstützung der Sozialarbeiter_innen, die sich stets auch als alternative Rollenvorbilder anbieten, viel erreichen, gerade auch dann, wenn die Jugendlichen sonst in Familie und Sozialraum einem sehr schwierigen Umfeld ausgesetzt sind.

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Ablauf und Arbeitsschritte der aufsuchenden Arbeit

Im Folgenden werden exemplarisch Ablauf und Arbeitsschritte der aufsuchenden Arbeit mit rechtsextrem oder islamistisch gefährdeten jungen Frauen und Männern beschrieben.

1. Einstieg in die Arbeit

Das Sozialarbeiter_innen-Team wird zumeist von Wohnungsbaugesellschaften, dem Jugendamt, der Polizei oder von Schulen gerufen. Dies erfolgt dann, wenn eine Gruppe Heranwachsender, die sich an bestimmten Orten wie z.B. Innenhöfen, Parkbänken und Spielplätzen aufhalten, von der Umgebung wiederholt als auffällig oder eventuell sogar als bedrohlich wahrgenommen wird.

Die Arbeit beginnt mit einer Analyse des Sozialraums, der Hinweisgeber sowie der Gruppe selbst. Dies erfolgt zunächst auf der Grundlage der von außen vorliegenden Informationen. Größere sozialraumorientiert arbeitende Träger können mit unterschiedlichen Teams und variablen Schwerpunkten arbeiten. Wenn also bei einer Jugendgruppe beobachtet wird, dass rechtsextreme Orientierungen eine Rolle spielen (könnten), dann nimmt ein Team mit entsprechenden Erfahrungen den Erstkontakt auf.

2. Erstkontakt

Die Sozialarbeiter_innen gehen auf die Gruppe zu, stellen sich vor, eröffnen das Gespräch und versuchen, eine vertrauensvolle Brücke zu den jungen Leuten herzustellen. “Wir sind Sozialarbeiter“, „wir sind für die jungen Leute im Kiez da“, „ihr könnt uns vertrauen“, “wir können zusammen mit Euch überlegen, ob es hier etwas gibt, worauf ihr Lust hättet oder womit wir euch helfen könnten.” Wenn schon eine Konfliktgeschichte im Viertel vorliegt, wird auch bald die Rede davon sein, “dass es ja immer wieder Stress hier gibt“, und was es denn damit auf sich habe. Dabei beruht der Zugang zu den Jugendlichen stets auf persönlicher Aufrichtigkeit/ Authentizität, Zugewandtheit, Interesse sowie auf Abgemessenheit und einer klaren eigenen Position.

3. Vertrauen aufbauen und Analyse der sozialen und ideologischen Problemlagen

Im folgenden Schritt geht es darum, die Nöte, Bedürfnisse, und Wünsche einzelner Jugendlicher zu ermitteln, so dass die Nöte so weit wie möglich bearbeitet und für die Wünsche aktive Eigeninitiativen mobilisiert werden können. Nicht selten ist eine gezielte Unterstützung in sozialen Belangen notwendig, wie z.B. der gemeinsame Gang zur Schuldnerberatung, bei Konflikten mit den Eltern das Erarbeiten von Lösungen, Hilfe bei der Suche nach Wohnung und betreuten Wohngemeinschaften bzw. bei der Arbeits- und Ausbildungssuche, die Begleitung bei schwierigen Ämtergängen und Widerspruchseingaben (Polizei, Gericht, Steuer) oder die Vermittlung von Beratung für besondere Lebenslagen wie z.B. Suchtmittelabhängigkeit oder Schwangerschaft. All diese Belange können vielfach von gender-bedingten Motiven geprägt sein, wie z.B. Konflikte mit der Herkunftsfamilie, frühe Schwangerschaft, Gewalt in Beziehungen. Sie haben viel damit zu tun, wie die betroffene Person ihre jeweilige Gender-Identität erlebt und umsetzt.

In dem besonderen Feld der Arbeit mit extremistischen Jugendlichen erkunden die Sozialarbeiter_innen durch Gespräche und Beobachtungen, wie stark die ideologische Verankerung der Jugendlichen ist, welche Rolle sie damit in der Clique einnehmen, inwieweit die Einzelnen mit der organisierten militanten Szene verbunden sind und ob sie schon polizeilich registriert sind. Dabei wird das Team auch darauf achten, ob und wie die szenetypischen Genderrollen in dieser Gruppe gelebt werden – und welche Anknüpfungspunkte sich daraus für die gemeinsame Arbeitsbeziehung ergeben.

Parallel wird eruiert, in welcher Form man durch freizeitorientierte Angebote an die Interessen und Ressourcen der Jugendlichen anknüpfen kann. Dazu gehören jugendkulturelle oder kreative Workshops, Tagesausflüge, oder auch mehrtägige Reisen. Den häufig aus benachteiligenden Lebenslagen stammenden Jugendlichen können damit neue wichtige Erfahrungshorizonte eröffnet werden. Neue Situationen und Begegnungen auch mit anderen Gruppen stärken die sozialen Kompetenzen und fördert die persönliche Entwicklung. Besonders wirksam werden diese Unternehmungen sein, wenn sie Mädchen- und Jungen-spezifische sowie koedukative und cross-gender Betreuungsangebote variieren.

4. Gezielte Konfrontation mit Ideologien und Hassäußerungen

In der Arbeit mit der Zielgruppe nehmen die Sozialarbeiter_innen eine kritisch-zugewandte Haltung ein. Das heißt, die Person der/des Jugendlichen wird stets akzeptiert und respektiert. Als Person und erfährt sie die vorbehaltlose Zuwendung die Sozialarbeiter_innen, vorausgesetzt es ist in der gemeinsamen Arbeit ein aufrichtiger Kontakt zustande gekommen. Was die Mitarbeitenden der Straßensozialarbeit jedoch kritisch hinterfragen werden, sind die Haltungen und Verhaltensweisen ihrer Klient_innen. Auch werden in der Anfangsphase einige Grundregeln des gemeinsamen Austausches vereinbart, die festlegen, was im Umgang der Jugendlichen und Sozialarbeiter_innen akzeptabel ist und was nicht; ebenso muss Klarheit darüber bestehen, in welchen Fällen die Kolleg_innen verpflichtet sind, Verhalten zur Anzeige zu bringen.

Es ist jedoch wichtig von Anfang an in Sachen Gruppenhass, rechtsextreme oder militant islamistische Haltungen die eigene Position immerhin markiert zu haben. Wenn später ein zielgerichteter Prozess der Distanzierungsarbeit begonnen werden soll, müssen die Klient_innen ihr professionelles Gegenüber/ den/die Streetworker_in als ehrlich, authentisch und konsistent wahrnehmen und als Gesprächspartner_in ernstnehmen.

Für die Praxis bedeutet dies, dass man mit dem zielgerichteten Hinterfragen von rassistischen, nationalistischen, antisemitischen sowie sexistischen/homophoben Haltungen erst dann beginnt, wenn bereits ein grundsätzliches Vertrauensverhältnis zwischen Sozialarbeiter_in und Klient_in entstanden ist – und wenn die Beteiligten schon „ein Stück Weg miteinander gegangen sind“. In der weiteren Arbeit wird es dann sehr darauf ankommen, dass die Kontinuität in der Beziehung und die Erreichbarkeit in Krisenfällen zu allen Tages- und Nachtzeiten gegeben ist (Berufshandy, facebook).

Zunehmend nutzen die Kolleg_innen der aufsuchenden Arbeit auch die sozialen Medien (z.B. Facebook und Twitter), um den regelmäßigen Kontakt mit Jugendlichen zu halten (oder Verabredungen zu treffen). Die Jugendarbeiter_innen nehmen dort aber auch ganz gezielt an Austausch teil, der in Bezug auf menschenverachtende Ideologien, so genannte Hassforen oder extremistische Foren stattfindet (Z.B. “Todesstrafe für Kinderschänder” bzw. militante Jihadistische Websites) und bringen dort ihre moderierende und kritische Haltung ein. Ferner wurde die Erfahrung gemacht, dass oft gerade die zurückhaltenden Jugendlichen den schriftlichen Dialog mit den Sozialarbeiter_innen im Internet nutzen. Denn dort fällt es ihnen leichter als in der Gruppe, sich persönlich zu äußern bzw. bestimmte Themen anzusprechen. Dies erlaubt es manchmal auch, zu den Mädchen der Gruppe – bzw. zu gender-bedingten Themen – einen leichter gangbaren Zugang zu finden.

5. Auslaufen des Prozesses

Der Prozess kann unterschiedlich lang dauern, von ca. 1-5 Jahre. Mit manchen der jungen Menschen besteht länger Kontakt. Auch ist der Bezug zu den einzelnen Gruppenmitgliedern sehr unterschiedlich intensiv. Manchmal verändert sich dieser Prozess dadurch, dass Jugendliche in andere Jugendhilfesysteme vermittelt werden und nicht mehr in gleicher Weise in der Gruppe präsent sind, was z.B. durch eine Ausstiegshilfe oder Schwangerschaft bedingt sein kann. Im Sinne der empfohlenen Kontinuität von Betreuungsbeziehungen versuchen die Straßensozialerbeiter_innen jedoch auch dann, den Kontakt zu halten und ggf. in der Nachbetreuung beteiligt zu sein. Das Ende der Arbeitsbeziehung mit den Jugendlichen wird so gestaltet, dass es nicht als abrupter Beziehungsabbruch erlebt wird.

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Genderaspekte

Phänomenbeschreibung: Gruppen mit rechtsextremen Bezügen

Die Gruppen im öffentlichen Raum sind meist geschlechtergemischt, aber häufig männlich dominiert. Oft lassen sich die Mädchen anfangs nur schwer auf geschlechtsspezifische Gespräche und Angebote ein. In der aufsuchenden Jugendarbeit von selbstverwalteten Jugendräumen im ländlichen Raum gibt es jedoch manchmal reine Mädchengruppen.

Gerade in Städten sind verschiedene Typen von rechtsextrem orientierten Mädchen/ Frauen zu finden:

  • die Reenees/Skingirls, die kämpferische, Männern ebenbürtige Handlungspositionen einnehmen,
  • die Freundinnen eines Kameraden, die sich lediglich als Begleitung und stille Unterstützerin verstehen,
  • die national autonomen Frauen, die einer rechtsgerichteten autonomen Gruppe angehört
  • Frauen mit matriarchalisch/weiblich geprägtem Habitus, die einen speziell fraulichen Ausdruck von Szenezugehörigkeit und Machtanspruch aufweisen
  • rechtsextreme Frauen aus sozial desintegrierten Umfeldern, die den sozialen Anschluss an eine machtvolle Gruppe suchen

Die Mädchen/Frauen sind unterschiedlich stark ideologisch motiviert und haben sich aus unterschiedlichen Motiven (und Gender-Gesichtspunkten) in ein rechtsextremes Umfeld begeben. Mitunter nehmen einzelne Gruppen auch ein geradezu matriarchalisches Gepräge an. Dort sind dann eine Reihe junger Frauen bestimmend, die betont körperlich auftreten. In diesen Gruppen hat stets eine Leitfigur die Weisungsgewalt inne. Diese Frauen kommen oft aus einem sozial desintegrierten Verhältnissen, die von mehrgenerationaler Arbeitslosigkeit, Familienkonflikten, Alkohol- und Suchtmittelprobleme, sowie durch Konsum von und Aktivitäten auf pornografischen Websites (z.B. “You porn”) gekennzeichnet sind. Häufig werden Partnerschaften mit Männern aus NPD-Kreisen oder organisierten Kameradschaften eingegangen bzw. Verbindungen gesucht, die neben dem Bedürfnis nach Beziehungen auch von politischem Ehrgeiz und dem Streben nach Entfaltungsmacht gekennzeichnet sind.
Andere Gruppen sind gemischtgeschlechtlich und bestehen aus Frauen, die unterschiedlichen Typen zugehören und unterschiedlich stark ideologisiert sind. Der sozialpädagogische Zugang zu den Frauen entsteht oft aufgrund von früher Elternschaft oder aber infolge von häuslicher Gewalt – manchmal wegen einer fatalen Kombination beider Ursachen. Genderthemen – Geschlecht/ Konflikt in der Partnerschaft, in Familie und Elternschaft – nehmen in den jeweiligen Arbeitsbeziehungen eine entsprechend große Bedeutung ein.

Phänomenbeschreibung: Gruppen mit islamistischen Bezügen

Die Sammlung von Erfahrungen aus der Sozial- und Ausstiegsarbeit mit Mädchen/ Frauen mit Bezügen zu militant jihadistischen Umfeldern steht in Deutschland erst am Anfang. Die Erfahrungsberichte und Recherchen der Kolleg_innen in britischen Großstädte haben ergeben, dass die genderspezifische Inanspruchnahme von Mädchen/ Frauen durch extremistische Organisationen weiter fortgeschritten ist (z.B. Hizb ut Tahrir, Al Muhadjiroun, Women4Shariah, Muslims Against Crusaders). Aber auch die Praktiker_innen der Jugend- und sozialarbeiterischen Intervention versuchen, sich entsprechend einzustellen und zu professionalisieren. Dies gilt ähnlich auch hinsichtlich der Mädchen / Frauen in Banden der organisierten Kriminalität.
In manchen Aspekten durchaus vergleichbar mit rechtsextremen Milieus ist die Ausdifferenzierung der verschiedenen Typen von weiblicher Beteiligung in jihadistischen Umfeldern, zu denen die Anhängerin einer Bewegung/ Organisation, die familiäre (auch sexuelle) Unterstützerin, die aktive Organisatorin, die Ideologin und Propagandistin sowie die Täterin gehört. Auch einige Motive der Zuwendung zum extremistischen Milieu überschneiden sich, wie z.B. der Wunsch nach Zugehörigkeit und Respekt, die Kompensation von Erlebnissen der Erniedrigung/ Diskriminierung, die Bewältigung von Lebens- und Befindlichkeitskrisen, das Bedürfnis nach sozialer und gesellschaftlicher Selbstwirksamkeit, Varianten von moralisch-politischer Empörung oder religiösen/ existenziellen Erweckungserlebnissen, sowie der Drang aggressive Impulse auszuagieren.

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Genderempfehlungen

Grundsätzlich sollte Streetwork mit gemischtgeschlechtlich besetzten Teams aus Frauen und Männern arbeiten und sowohl gemischt- als auch mono-geschlechtlich ausgelegte Aktivitäten einsetzen. In der gemischtgeschlechtlichen Erstansprache haben die Jugendlichen dann die Wahl, welchem Geschlecht sie sich zuerst zuwenden wollen. In der Praxis zeigt sich, dass Mädchen bei der häufig zuerst den Kontakt zum männlichen Kollegen suchen und sich erst mit der Zeit auch für die Sozialarbeiterin öffnen. Manche Aktivitäten, wie z.B. Fußball spielen, bei denen Mädchen häufig am Rand stehen, können gezielt für eine geschlechtergetrennte Ansprache der Mädchen durch die Sozialarbeiterin genutzt werden. Später können auch in der Straßensozialarbeit cross-Gender Aktivitäten anvisiert werden, bei denen z.B. die Mädchen und die weibliche Jugendarbeiterin Fußball spielen, und die Jugend und Männer sich in Mädchendomänen bewegen.

Grundprinzipien für eine genderreflektierte Jugendarbeit (analog zu „offene Jugendarbeit“):

  • ein diskriminierungsfreier Umgang mit allen Formen von sexueller Orientierung und Gender-Identität in Jugendeinrichtungen
  • beständige Aufmerksamkeit für Bearbeitung von sexistischen und homophoben Äußerungen in der Einrichtung
  • parteiliche Jugendarbeit mit Schwerpunkt von koedukativen Zielen
  • aktive Reflexion der bestehenden Geschlechterverhältnissen als Querschnittsthema
  • Förderung der Wahrnehmung von alternativen Geschlechterrollen
  • Stärkung von Ambivalenz-Toleranz in Bezügen von sexueller Orientierung und Gender – sowie der allgemeinen Erweiterung von gesellschaftlich bestehenden „binären Oppositionen“

Genderperspektiven in der Jugendarbeit

Hinsichtlich der personellen Ausstattung

  • gemischtgeschlechtliche Teambesetzung
  • Reflektion der eigenen Geschlechterrollen-Vorstellung im Team
  • Professioneller Fachaustausch über Möglichkeiten des Gender-orientierten Arbeitens mit Jugendlichen verschiedener Gruppenzugehörigkeit
  • Fortbildung zur Bedeutung von Gender in Rechtsextremismus, religiösem Fundamentalismus und menschenrechtsfeindlichen Bewegungen

Hinsichtlich der räumlichen Ausstattung

Was in den Einrichtungen der Jugendarbeit (Jugendclubs) für die räumliche Ausstattung gilt, kann/sollte analog dazu, aber auf andere Weisen in den Sozialräumen und an öffentlichen Plätzen geschaffen werden – und zwar an jenen lebensweltlichen Orten, an denen die Jugendlichen sich tatsächlich aufhalten Mädchen/Jungenräume schaffen, gemeinsame Regelerarbeitung insbesondere in Bezug auf sexistische Sprache und Umgang miteinander.

Hinsichtlich der Struktur der Angebote

  • Angebote gendersensibel gestalten: Wenn z.B. Tanzen für Mädchen und Street-Soccer für Jungen angeboten wird, sollten Möglichkeiten der koedukativen Öffnung/ Erweiterung geschaffen und die Diskussionen der Auswirkungen von gesellschaftlichen Geschlechterrollen betrieben werden
  • parteiliche und Gender-irritierende Jungen- und Mädchenarbeit: neue koedukative Erfahrungsräume schaffen (Tanzen für Jungen und Street-Soccer für Mädchen)
  • genderreflektierende Angebote: z.B. Erlebnispädagogische Projekte mit anschließender Diskussion über die Handlungsweisen, die Mädchen bzw. Jungen in bestimmten Situationen übernommen haben
  • bewusstes Erfahren von Situationen der Selbstbestimmung in Konfliktlagen (Empowerment), z.B. durch didaktisierte Arbeit mit einschlägigen Fallgeschichten
  • Cross-work: Pädagoginnen arbeiten mit Jungengruppen, Pädagogen arbeiten mit Mädchengruppen. Z.B. Abenteuercamps für Jungen unter weiblicher Anleitung.

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Beispiele

Vaja e.V., Gangway e.V.